Auf den Punkt : Liebesgrüße aus Wiesbaden

Lorenz Maroldt zum SPD-Spitzenkandidaten in Hessen

Lorenz Maroldt
Lorenz Maroldt
Lorenz Maroldt, Chefredakteur -Foto: Kai-Uwe Heinrich

BerlinThorsten Schäfer-Gümbel hält sich für den James Bond der hessischen SPD. Jedenfalls bevorzugt er "in Anlehnung" an den britischen Agenten mit der Lizenz zum Töten die Devise "Sag niemals nie". Schäfer-Gümbel meint damit, er würde mit jedem zusammenarbeiten, der ihm an die Macht verhilft, sogar - mit der CDU. Mit den Linken sowieso.

Wenn Schäfer-Gümbel Bond ist, dann muss Andrea Ypsilanti "M" sein, denn so wie Bond eine Chefin hat, ist es auch bei Schäfer-Gümbel. Ypsilanti bleibt die Vorsitzende von Partei und Fraktion, aber weil Schäfer-Gümbel, anders als Bond, ein Linientreuer ist, wird er immer schön unter Kontrolle bleiben. Verliert er die Wahl, was viele vermuten, wird er ehrenhaft aus dem Amt des Spitzenkandidaten entlassen. Gewinnt er sie für die SPD, womit kaum jemand rechnet - hat er sie noch lange nicht für sich gewonnen. Dann kann Ypsilanti noch immer Ministerpräsidentin werden. Horst Seehofer stand ja in Bayern auch nicht zur Wahl, und jetzt sitzt er in der Staatskanzlei im wichtigsten Zimmer. Und da Schäfer-Gümbel bis auf das alte Wahlversprechen alles richtig findet, was Ypsilanti sagt und macht, kann er ja auch wieder Platz machen.

Alles Unsinn? Mag sein. Aber auch nicht unsinniger als alles das, was die hessische SPD seit einem Jahr veranstaltet. Der Satz von Schäfer-Gümbel, er sei nicht nur Kandidat für ein paar Wochen, könnte sich auf fatale Weise für seine demolierte Partei bestätigen: Einer bleibt, gut möglich, jahrelang immer nur Kandidat, während ein anderer regiert.

Der andere - das ist dann Roland Koch, der Coole. Er scheint als einziger aus den Ereignissen der vergangenen Monate in Hessen gelernt zu haben. Koch hat einen Weg zwischen Trotz und Demut gefunden, der ihn zu neuer wahrnehmbarer Größe führt. Schäfer-Gümbel dagegen, heruntergezogen von einer hinteren sozialdemokratischen Abgeordnetenbank, hat sich bisher vornehmlich für ein paar Papiere beschäftigt mit der Zukunft des ländlichen Raumes, guter Arbeit in Hessen und der Bauausstellung in Frankfurt am Main. Zu allem anderen will er sich jetzt erst mal ein Bild machen. Da muss er sich ganz schön beeilen. In 69 Tagen wird gewählt.

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