Auf den Punkt : Mehr Buschkowskys für Berlin

Gerd Appenzeller über die Blindheit der Berliner SPD

Gerd Appenzeller
Gerd Appenzeller

BerlinNeuköllns Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky war jetzt im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses. Als Zuhörer. Sprechen wollte mit ihm niemand, aber anhören durfte er sich einiges. Zum Beispiel, dass man sich in Sachen Integration und Migrationsprobleme von Fachleuten beraten lassen wolle, aber nicht von Menschen, die von ihren Reisen erzählen. Also ging SPD-Mann Buschkowsky wieder an seinen Neuköllner Schreibtisch, Akten aufarbeiten.

Damit kein Missverständnis aufkommt: Heinz Buschkowsky brauchte niemandes Mitleid. Er ist ein ziemlich routinierter Selbstdarsteller, ein raffinierter Verkäufer seiner selbst und seiner Ideen. Das Problem der Berliner SPD ist freilich, dass sie vor lauter Wut über den in allen Medien präsenten Buschkowsky schlicht und einfach blind dafür ist, dass der Mann Recht hat mit seinen teilweise rigorosen Vorstellungen über den angemessenen Umgang mit integrations-unwilligen Migrantenkindern und deren Eltern. Er verdient Lob und nicht etwa Tadel dafür, dass er sich zum Beispiel in Rotterdam umgeschaut hat, wie man dort das Problem löst.

Menschen, die in Rotterdam leben, bestätigen jedem, der es hören will, dass das dortige Modell funktioniert. Jeder bekommt eine Chance zu arbeiten, jeder bekommt Unterstützung, jedes Kind einen Schulplatz - und Lehrer, die sich Zeit nehmen, gibt es auch. Selbstverständlich wird Sprachunterricht in Holländisch angeboten, und bei der Wohnraumbeschaffung kümmert sich die Stadtverwaltung auch. Aber wer sich nicht integrieren will, wer statt dessen auf Randale setzt, kriegt Krach mit den Behörden, die sich auch nicht wegen eines übertriebenen Datenschutzes von Gesetzesbrechern austricksen lassen. Man kann wirklich lernen von Rotterdam. Die Niederländische Botschaft in Berlin organisiert sogar Lehrfahrten für Sozialarbeiter, Medienleute und bestimmt auch für Abgeordnete.

Aber nein. SPD und Linke denken offensichtlich, dass Reisen nicht bildet, sondern Fakten die ideologischen Fiktionen gefährden. Berlins SPD ist blind für die Realitäten der Stadt. Sie braucht nicht weniger, sondern mehr Buschkowskys. Der liebt seinen Bezirk übrigens, damit es auch da kein Missverständnis gibt.

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