Auf den Punkt : Mehr Geld für Berlins Lehrer!

Susanne Vieth-Entus über Berliner Lehrer, die Beamte werden wollen

Susanne Vieth-Entus
Susanne Vieth-Entus
Susanne Vieth-Entus, Redakteurin des Tagesspiegel -

BerlinEin Gespenst geht um in Berlin. Das Gespenst der Lehrer-Verbeamtung. Am Donnerstag haben sich rund 30 Junglehrer der Initiative "Verbeamtung jetzt" im Abgeordnetenhaus eingefunden, um mit ihrem Weggang zu drohen, falls Berlin nicht wieder dazu übergeht, aus Lehrern Staatsdiener zu machen. Sie treffen Berlin an einer empfindlichen Stelle: Mit Lehrermangel ist nicht zu spaßen. Schon gibt es die ersten Anzeichen in Form von einzelnen unbesetzten Stellen, und es könnten bald wesentlich mehr werden.

Der Senat weiß aus den Erfahrungen anderer Bundesländer ganz genau, dass man mit Unterrichtsausfall Wahlen verlieren kann. Anstatt nun aber alles zu tun, um die jungen Lehrer zu halten, begnügt sich der Senat mit halbherzigen Schritten wie einer etwas besseren Bezahlung, die aber bei weitem nicht die Differenz zum Beamtensalär in Hamburg oder Hannover ausgleichen kann. Wenn der Senat tatsächlich entschlossen wäre, an der Nicht-Verbeamtung festzuhalten, wären andere Schritte nötig: 300 bis 400 Euro netto mehr und - vor allem - frühe Einstellungszusagen. Wer nämlich herumfragt bei den Lehrern, die Berlin in den vergangenen Jahren den Rücken gekehrt haben, der erfährt, dass sie Berlin nicht wegen eines lockenden Beamtenstatus verlassen haben, sondern allein deshalb, weil Berlin ihnen nicht einmal eine volle Stelle angeboten hat.

Man muss sich fragen, warum der Bildungssenator diesen Zusammenhang ausblendet und stattdessen Andeutungen macht, die Berlins Rückkehr zur Lehrer-Verbeamtung in den Bereich des Möglichen rücken. Man sollte ihm in Erinnerung bringen, warum Berlin diesen alten Zopf einst abgeschnitten hat: Weil Lehrertätigkeit - anders als die von Polizisten und Richtern - keine hoheitliche Aufgabe ist. Weil es praktisch unmöglich ist, unmotivierte Beamte loszuwerden, und weil dies Schülern viel mehr schadet als geduldigen Aktenbergen. Weil viele Beamte es für selbstverständlich halten, dass sie im Krankheitsfall bis zum Sanktnimmerleinstag ihr volles Gehalt bekommen, und Vater Staat sich oft nicht einmal vergewissert, ob es sich wirklich um einen Krankheitsfall handelt. Hier wird Geld verbrannt. Das alles haben Schulen nicht verdient. Sie verdienen engagierte Lehrer, die brutto genug bekommen, um ihre Rente selbst bezahlen zu können.

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