Auf den Punkt : Mülltrennung ade?

Ingrid Müller über den Vorschlag von Wirtschaftsminister Glos, Gelbe Tonne und Grünen Punkt abzuschaffen

Ingrid Müller
Ingrid Müller
Ingrid Müller, Leitende Redakteurin (Politik) -Foto: Kai-Uwe Heinrich

Ach Du meine Güte. Der Wirtschaftsminister, so heißt es, will Gelbe Tonne und Grünen Punkt abschaffen. Zwar noch nicht heute, aber demnächst. Viele werden jubilieren – endlich keine leidige Trennung in verschiedene Tonnen mehr. Wenn die automatische Trennung außerhalb der eigenen Küche so prima funktionieren würde, wären wohl alle dafür. Und die, die heute schon alles in einen Abfalleimer werfen, würden sich im Recht fühlen. Nur: Bisher gibt es eine solche Wundermaschine nicht, die aus einer matschigen Masse in einer Tonne alles einzeln sauber rausfiltert. Außerdem war ein Grund für die Trennerei der, dass mit den Rohstoffen sensibler umgegangen wird und es immer weniger Verpackungen geben soll. Den Effekt, so sagen Fachleute, hat die Gelbe Tonne gebracht.

Allerdings sind Gelbe Tonne und Grüner Punkt zwei verschiedene Dinge. Das einstige Monopol des Dualen Systems (das hinter dem Grünen Punkt steckt) ist inzwischen aufgebrochen. Beim Grünen Punkt geht es ums Geld. Mit dem Müll lässt sich anscheinend gut auf Kosten von uns Kunden verdienen, sonst gäbe es nicht so viele Interessenten dafür. Und: Ein nicht zu unterschätzender Anteil der gesammelten Verpackungen landet ganz offensichtlich in der so genannten thermischen Verwertung: Er wird verbrannt. In dem Fall fragt man sich natürlich, wozu mache ich mir die Mühe, alles zu sortieren, wenn es doch im Ofen landet.

Aber was ist das, was jetzt als Denkanstoß aus dem Wirtschaftsministerium kommt? Das hat mit einem notwendigen Denkanstoß wenig zu tun. Vor allem hört sich die Idee, den Verpackungsmüll nach dem Muster des Elektroschrotts zu entsorgen, nach Horror an. Rufen wir für jede einzelne Müllsorte demnächst bei der Stadtreinigung an, sie möge ihn bitte abholen? Nein, der Mensch ist, wie er ist. Viele rufen weder an noch fahren sie das alte Schätzchen vorbei. So wie das alte Handy steht der alte Bildschirm wohl bald im Keller oder auf dem Dachboden. Sollen da demnächst auch alle Verpackungen hin?

Bei der Müllentsorgung kann es nicht allein darum gehen, dass Verbrennen billiger ist als Verwerten. Das ist nicht der Sinn der Sache. Vor allem aber sollte man meinen, es gäbe im Wirtschaftsministerium Wichtigeres zu regeln als eine Sache, über die man sich nur mal wieder mit dem ungeliebten Kollegen aus dem Umweltministerium streiten kann.

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