Auf den Punkt : Mund halten

Alfons Frese zu Hans-Werner Sinn

Alfons Frese
Alfons Frese
Alfons Frese, Wirtschaftsredakteur -Foto:Kai-Uwe Heinrich

BerlinHans-Werner Sinn, einer der bekanntesten Ökonomen Deutschlands, liegt voll daneben - Entschuldigung hin oder her. Und zwar nicht nur mit dem Vergleich von Juden (im Jahr 1929) und Managern (heute); dieser Unsinn bedarf nicht der Kommentierung. Sinn schlägt vielmehr und überhaupt einen Ton an, der schlecht in die Zeit passt: Ich habe schon immer vor der Krise gewarnt und mehr Regulierung im Bankensektor gefordert. Aha. Der Mann weiß also Bescheid. Aber hat er wirklich als der neben Bert Rürup einflussreichste Wirtschaftswissenschaftler in diesem Land etwas gegen diese Krise getan, die von der Bundesregierung als schwerste sei 1929 qualifiziert wird? Sinn bejaht das locker für sich. Es ist gerade diese obszöne Selbstgefälligkeit, die ihn zu dem irrsinnigen Vergleich verleitet hat.

Reflexion ist nicht die Sache des Wissenschaftlers. Im Gegenteil, die Ursachen dieser Weltwirtschaftkrise identifiziert er ruckzuck: Immobilienblase in den USA und zu geringe Eigenkapitalhaftung der Banken. Fertig. Also künftig ein bisschen mehr Regulierung der Finanzszene und schon wird alles gut. Wirklich? Hat nicht ein bestimmtes Verständnis von Wirtschaft, von Markt und Staat, von Kapital und Arbeit überhaupt den Kontext geschaffen, in dem der Wahnsinn wüten konnte? Deregulierung, Privatisierung, Liberalisierung - das sind die wirtschaftspolitischen Parolen der Neoliberalen, die in großen Teilen der Welt den Ton angegeben haben seit Anfang der 90er Jahre und vor allem auch auf den Finanzmärkten. In Deutschland ganz vorne dabei: Hans-Werner Sinn. Und damit die Wirkungen dieser ökonomischen Schule im aktuellen Finanzmarktdesaster nicht zu sehr ins Gerede kommen, hat der Professor aus München sich daran erinnert, dass Angriff ja die beste Verteidigung ist. Und die Kritiker der Bankmanager in die Nähe der Nazis gestellt. Voll daneben eben. Und die Konsequenz daraus? Mund halten! Das wäre gut für Sinn und für die Wirtschaftspolitik in Deutschland.

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