Auf den Punkt : Nachwirkungen des "Dritten Reichs“

Moritz Schuller zur "nationalen Amnesie"

Moritz Schuller
Moritz Schuller, Meinungsredakteur -Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Wie hieß doch gleich der Mann, der heute vor 75 Jahren in Deutschland die Macht übernommen hat? Hilter? Oder war es Hablitzel? Hat der "Spiegel“ nicht gerade eine Titel-Geschichte über den gemacht? Und Guido Knopp vor Wochen mal was im Fernsehen dazu gesagt? Aber wie hieß er bloß? Im Dschungel-Camp von RTL ist doch auch gerade ein Kandidat rausgeflogen, weil er so komisch den Arm hochgereckt hat. Was war da noch mal?

Das ist sie, die "nationale Amnesie“ der Deutschen im Jahr 1933 + 75, von der Charlotte Knobloch gestern sprach. Deutschland kann sich an Hitler und das „Dritte Reich“ einfach nicht mehr erinnern. Ein "nationales Unvermögen, sich zu erinnern“, nennt es die Vorsitzende der Juden in Deutschland, sie meint aber offenbar etwas anderes, etwas weniger absurdes und viel spannenderes: dass es 75 nach dem Machtantritt der Nazis zu einem Verlust des historischen Wissens über die NS-Zeit kommt.

Dieser Prozess ist nicht zwangsläufig krankhaft, wie die Amnesie, oder Ausdruck von nationaler Verdrängung, sondern auch Gang der Geschichte. Im Umgang mit ihrer Vergangenheit stellt das auch die Deutschen in der Tat vor eine Herausforderung: Wie werden wir uns erinnern? Doch vor der "nationalen Amnesie“ kommt die "nationale Aphasie“ - die Unfähigkeit zu reden und über die Nachwirkungen des "Dritten Reichs“ die richtigen Worte zu finden. Und vor dieser Aphasie ist offenbar auch Charlotte Knobloch nicht gefeit.

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