Auf den Punkt : Nicht seine Schuld

Werner van Bebber hofft, dass Finanzsenator Thilo Sarrazin noch lange im Amt bleibt

Werner van Bebber
Werner van Bebber, Reporter -Foto: Kai-Uwe Heinrich

Es wäre aber auch zu schön gewesen. Wachsende Steuereinnahmen einerseits, ein sparfreudiger Finanzsenator andererseits machten in Berlin im vergangenen Jahr ein kleines Politwunder möglich - Schuldenabbau durch eine rot-rote Koalition. Doch das Politwunder wird sich nicht wiederholen lassen. Finanzsenator Thilo Sarrazin, der der städtischen Politikerszene und den Berlinern über die Jahre einen wirklichkeitsbezogenen Umgang mit Geld beigebracht hat, muss Schulden machen. Es werden, das kündigte Sarrazin an, einige Milliarden sei.

Sarrazin begründet das mit der Finanz- und Wirtschaftskrise und dem damit verbundenen staatlichen Mega-Konjunkturprogramm. Schulen, Kitas, öffentliche Gebäude - das Land Berlin muss mitbezahlen. Das bedeutet: Ihre gigantischen Schulden bleiben der Stadt erhalten. Sie wird abbezahlen und abbezahlen und trotzdem weiter und noch lange von ihrer Substanz leben müssen.

Doch genau diese leichte Hoffnungslosigkeit über der Berliner Finanzwirtschaft macht den Senator Sarrazin mit seinem seltsamen Humor und seiner Fähigkeit zum missverständlichen Scherz für den Berliner Politbetrieb wertvoller denn je. Denn Sarrazin ist, was die Finanzpolitik anbelangt, die personifizierte Solidität. Er warnt seine Kollegen schon jetzt vor Forderungen, die er nur abschlägig wird bescheiden können. Es gebe auf Jahre nichts zu verteilen, sagt er.

Dass er das schon jetzt so sagt - und zwar in einer Situation, in der alle ganz viel Staat ganz toll finden - spricht für ihn, der immer Realist und nie Schönredner war. Und er wird wissen, warum er es sagt - vermutlich stand vielen aus der rot-roten Koalition im vergangenen Jahr, als Geld da war, die Lust auf vermeintliche Sozialstaatswohltaten ins Gesicht geschrieben. Bleibt zu hoffen, dass Sarrazin der Stadt in den nun wieder härteren Zeiten erhalten bleibt und nicht ins Präsidium der Bundesbank wechselt. Aber im Ernst: Wer wird denn schon den angesehenen Beruf eines Berliner Finanzsenators gegen die windige Existenz eines Bankers eintauschen?

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