Auf den Punkt : Nichts wie weg

Malte Lehming über prominente Deutsche, die wegen Lafontaine auswandern wollen

Malte Lehming
Malte Lehming
Malte Lehming, Leitender Redakteur (Meinung) -Foto: Kai-Uwe Heinrich

BerlinDas Treffen fand vor gut drei Wochen in Potsdam statt. Es war eher informell, und es wurde Stillschweigen vereinbart. Unter den Teilnehmern waren viele, die man aus Funk und Fernsehen kennt: Frank Plasberg, Günther Jauch, Anne Will, Miriam Meckel, Michel Friedman, Dieter Bohlen, Heidi Klum, Iris Berben. Der Anlass dieses warmen Frühlingsnachmittags am See war allerdings keine Party, sondern ausnahmsweise hoch politisch. Was tun, wenn Oskar Lafontaine an die Macht kommt? Die tiefe Sorge um diese Frage einte die versammelten Prominenten, die sich sonst eher ungern dezidiert politisch äußern. Aus gutem Grund: Wer beliebt sein will, darf sich nicht festlegen.

Doch einer hat jetzt sein Schweigen gebrochen. Im Interview mit der "Mallorca Zeitung" sagte der Sänger und DSDS-Juror Dieter Bohlen: "Wenn der Lafontaine kommt, bin ich weg, dann gehe ich nach Spanien." Obwohl Bohlen schon jetzt recht oft auf Mallorca weilt, dürfte ihm die Emigration nicht ganz leicht fallen. Deutsche, die aus politischen Gründen ihr Land verlassen müssen: Dieser Vorgang hat eine unselige Tradition in der deutschen Geschichte. Und Bohlen ist, das dürfte spätestens nach dem Potsdamer Treffen deutlich geworden sein, beileibe nicht allein mit seiner Oskarphobie. Es wären einige der besten, die unser Land verliert.

Natürlich sind die anderen Prominenten jetzt sauer auf Bohlen. Denn die Geheimniskrämerei hatte noch einen weiteren, gut begründeten Sinn. Man wollte keine dösenden Hunde wecken. Sonst könnten womöglich Bohlen-Hasser und Promi-Neider, von denen es ja ziemlich viele gibt, auf den dummen Gedanken kommen, allein wegen ihres Bohlen-Hasses und Promi-Neides die Ultralinken zu wählen. Nach dem Motto: Die sollen bloß raus hier, ist doch nur gut, wenn der Lafontaine ihnen ihre Villen in Potsdam wegnimmt. Eine solche Reaktion wäre möglich: Politisch Verfolgte stießen in Deutschland selten auf Solidarität. Das Leben ist eben ungerecht: Bohlen hat sich verplappert - und Lafontaine profitiert davon. Sein Aufstieg zur Macht scheint unaufhaltsam.

PS: Nach einigen Monaten im Netz mussten wir leider feststellen, dass diese Glosse von einigen Lesern nicht als Satire erkannt wurde. Das bedauern wir.

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