Auf den Punkt : Nobel hin oder her

Anja Kühne über einen albernen Streit zwischen den Berliner Unis

Anja Kühne

BerlinUni-Rankings sind ein Imagefaktor - ob sie schlecht sind oder nicht. Deshalb schadet es der Freien Universität und der Humboldt-Universität, dass sie im Schanghai-Weltranking der 500 besten Unis erneut nicht auftreten. Der Eindruck könnte entstehen, sie schafften es gar nicht unter die ersten 500. In Wirklichkeit liegen die Dinge anders. Seit Jahren streiten sich FU und HU darüber, wem die Nobelpreise der alten Berliner Universität im Schanghai-Ranking angerechnet werden müssen. Denn die Chinesen folgen der fragwürdigen Praxis, Nobelpreise einer Hochschule seit 1911 mit zu werten.

Darf nur die HU ihre Platzierung mit den Nobelpreisen der alten Berliner Universität aufmöbeln? Oder auch die FU - die ebenso wenig wie die HU nach dem Zweiten Weltkrieg eigene Nobelpreise vorweisen kann? Die Chinesen haben beide Unis aus ihrem Ranking geworfen, weil sie sich nicht einmischen wollen.

In dem Streit geht es ja auch um weit mehr als um die Konkurrenz zweier Unis. Er berührt die Narben, die der Kalte Krieg hinterlassen hat. Die FU musste 1948 nur gegründet werden, weil in der 1810 Unter den Linden gegründeten Hochschule kommunistischer Terror einen Neuanfang unmöglich machte. Dafür zog die FU in 16 Institute im Süd-Westen der Stadt, die vorher der Berliner Universität gehört hatten. In Ost-Berlin entstand unterdessen eine Parteihochschule, von den Machthabern wie zum Hohn seit 1949 Humboldt-Universität genannt. Eigentlich aber war die Verbindung zum Humboldt'schen Geist der alten Uni schon vorher unter den Nazis gekappt worden. Die politischen Diskontinuitäten sind also enorm. Angesichts der schwierigen Geschichte haben die Chinesen vorgeschlagen, die Nobelpreise auf FU und HU nach deren übrigen Leistungen im Schanghai-Ranking zu verteilen. Zu einer so noblen Geste gegenüber der FU konnte sich HU-Präsident Markschies jedoch leider nicht durchringen. Beide Unis werden sich also auch bis auf weiteres nicht da wieder finden, wo sie hingehören: Unter die Besten der Welt.

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