Auf den Punkt : Olympische Spiele werden politisch

Moritz Schuller über Steven Spielberg die Moralisierung der chinesischen Spiele

Moritz Schuller
Moritz Schuller, Meinungsredakteur -Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Nun passiert das, was die Chinesen um jeden Preis verhindern wollten: die Politisierung der Olympischen Spiele in Peking. Steven Spielberg ist als Berater für die Eröffnungs- und Schlusszeremonie der Spiele zurückgetreten - wegen der chinesischen Politik im Sudan. Und heute ist in England ein offener Brief von Nobelpreisträgern an die chinesische Regierung erschienen, der China mitverantwortlich macht für die Gräueltaten in Darfur. Unterschrieben habe ihn Leute wie Elie Wiesel oder Erzbischof Tutu.

Spielberg war offenbar in den vergangenen Monaten durch die Dreharbeiten für Indiana Jones IV zu sehr abgelenkt: Schließlich ist die skandalöse chinesische Unterstützung für das Regime in Khartum nichts Neues - ebensowenig wie das westliche und das afrikanische Zaudern, in Darfur einzugreifen. Die Drohung, die Olympischen Spiele scheitern zu lassen, ist in der Tat eine Waffe des Westens gegen die Regierung in China, die sich mit dem Großereignis international präsentieren will. Doch bei Darfur auf die Chinesen zu zeigen, entlässt niemanden aus seiner eigenen Verantwortung. Warum weigert sich Spielberg nicht, Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull in die Kinos kommen zu lassen, bis die amerikanische Regierung mehr für Darfur tut. Eine Lösung dort scheitert schließlich nicht ausschließlich an den Chinesen.

So sinnvoll die Politisierung (oder Moralisierung) der chinesischen Spiele ist, und dazu gehört als schärfste Reaktion auch der Boykott, so wenig eignet sich Darfur dafür. Gut, dass Spielberg zurückgetreten ist, er hätte nur einen noch besseren Grund liefern sollen: Tibet oder Nordkorea oder die mangelnde Pressefreiheit oder die Menschenrechte oder die chinesische Haltung zur iranische Atombombe.

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