Auf den Punkt : Opel war falsch

Lorenz Maroldt über die Niederlage der SPD

Lorenz Maroldt
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Lorenz Maroldt, Chefredakteur -Foto: Kai-Uwe Heinrich

Martin Schulz, SPD-Spitzenkandidat bei der Europawahl, wollte "die Europäische Union nach links schieben". Das ist gründlich misslungen, auch das. Europaweit haben die konservativen Parteien zugelegt, die sozialdemokratischen verloren. Es muss also nicht nur am Kanzlerkandidaten Steinmeier gelegen haben, dass die SPD ein so fürchterliches Ergebnis erwirtschaftet hat. Woran aber dann? Ist nicht die SPD die Partei der sozialen Gerechtigkeit, und ist nicht soziale Gerechtigkeit das, wonach sich die Menschen in dieser Krisenzeit am meisten sehnen?

Ja - und ja. Aber wenn zwei dasselbe sagen, bedeutet das noch lange nicht, dass sie auch dasselbe meinen. Die SPD unterliegt in dieser Frage offenbar einem Missverständnis, wie der Fall Opel zeigt: Ein Arbeitsloser, der sein tägliches Hartz-IV-Menü à la Schröder serviert bekommt, schaut mit Neid auf die automobile Fürsorge der Sozialdemokraten; ein Steuerzahler, der sein Bruttogehalt in der sozialdemokratischen Sonne dahinschmelzen sieht, mit Groll. Als sozial gerecht empfindet das weder der eine noch der andere, und zusammen sind sie die ganz große Mehrheit, die der SPD fehlt.

Natürlich ist auch das ziemlich ungerecht. Nicht die SPD allein hat Opel die Milliardenbürgschaft verschafft, nicht nur die SPD hält die Staatsquote hoch - das war die Bundesregierung. Aber während sich die anderen Beteiligten geschickt aus der Affäre stehlen, rufen die Sozialdemokraten sogar noch nach mehr. Aber dafür gibt's eben immer weniger.

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