Auf den Punkt : Planlos gekämpft

Werner van Bebber zu Friedbert Pflügers Abwahl

Werner van Bebber
Werner van Bebber
Werner van Bebber, Reporter -Foto: Kai-Uwe Heinrich

BerlinSie haben ihn abstürzen lassen. Friedbert Pflüger ist nicht mehr Fraktionschef. Dass es so gekommen ist, liegt auch an Pflüger selbst: Er hat ohne Plan und Strategie einen Machtkampf begonnen. In diesem Kampf hätte er, gutes Coaching und perfektes Timing vorausgesetzt, einen Sieg nach Punkten holen können. Aber Pflüger hat einfach losgekämpft und schwer verloren.

Die Fraktion und sein Nachfolger Frank Henkel haben ihm zum Abschied deutlich gemacht, dass er und sein Kurs Richtung "Moderne Großstadtpartei" in Berlin eine Zukunft haben sollen. In der Fraktion kam die Abwahl gerade mal so zustande, Henkel hat versprochen, den früher gemeinsam mit Pflüger besprochenen Weg weiter zu gehen. Nun muss Henkel zeigen, dass er das kann und dass er, der bisher vor allem als Rechtsausleger in Sachen Sicherheit und Ordnung bekannt geworden ist, Gemeinsamkeiten mit den Grünen und der FDP findet. Anders ist Oppositionsarbeit in Berlin nach Pflügers gutem Start nicht mehr sinnvoll.

Die Krise, in die Pflüger und die CDU getrudelt sind, ist aber bislang nur halb gelöst. Landeschef Ingo Schmitt mag immer noch einige Betonstützen unter seinen Parteifreunden haben - aber er steht für eine CDU von gestern. Schmitts Programm hat zwei Punkte. Die lauten: Pflege der eigenen Interessen, erstens, und, zweitens, Pflege der gewohnten geistigen und politischen Bräsigkeit. Die passt nicht mehr zur Stadt, die passt auch nicht mehr in die Zeit, die passt nur zu Leuten, die Opposition bis an die Pensionsgrenze machen wollen.

Pflüger hat gezeigt, dass man diese Berliner CDU bewegen kann. Schmitt hat gezeigt, dass man die Berliner CDU sedieren kann. Der eine ist seinen Job heute losgeworden. Dem anderen sollten die Strategen in der Partei und die Basis, nicht mehr viel Zeit zu lassen, um seine Sedierungspolitik fortzusetzen.

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