Auf den Punkt : Regeln im Untergrund

Lorenz Maroldt über Alkohol in der U-Bahn

Lorenz Maroldt
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Lorenz Maroldt, Chefredakteur -Foto: Kai-Uwe Heinrich

BerlinIst ja toll: Zweitausend Londoner haben sich am vergangenen Wochenende in der U-Bahn zum Trinken von Bier, Wodka und Champagner verabredet, aus Protest gegen das neue Alkoholverbot in der Tube. Zweitausend! In Berlin würden zu einem solchen Anlass wahrscheinlich Zweihunderttausend kommen. So viele sind es nämlich, geschätzt jedenfalls, die Tag für Tag besoffen durch die Wagons schwanken, die offene Flasche noch in der Hand.

Das irre daran: Was in London jetzt seit Sonntag, 0 Uhr verboten ist, darf man in Berlin schon lange nicht. Paragraf 3 der VBB-Beförderungsbestimmungen: Von der Beförderung ausgeschlossen sind Personen, die unter Einfluss alkoholischer Getränke oder anderer berauschender Mittel stehen, wenn sie eine Gefahr für Sicherheit und Ordnung des Betriebes oder für die Fahrgäste darstellen - und das sind Betrunkene ja zumeist. Paragraf 4: Fahrgästen ist untersagt, die Verkehrsmittel mit offenen Speisen und offenen Getränken zu betreten bzw. diese während der Fahrt zu konsumieren. Das gilt also für die offene Bierflasche genauso wie für die Cola Zero, für den Haschkeks wie für den Pflaumenkuchen, für das Mohnbrötchen, den Döner, das Himbeereis.

Millionenfacher Regelverstoß! Und niemanden kümmert’s Die BVG hat kapituliert, die Sicherheitsdienste ebenso, und die Polizei - ach, die Polizei hält sich nicht im Untergrund auf. Viel zu gefährlich.

Viele sagen: Ach, das lässt sich doch ohnehin nicht kontrollieren. Wer soll denn das machen? Und was das wieder kostet! So ist nun mal die Großstadt, Provinzspießer. Und wenn einer auf die Fresse kriegt, weil er einen Betrunkenen auf Abstand halten wollte: Selber schuld, Alter, wat mischte dir ein.

Alles Quatsch mit Soße. Wenn die Polizei und die BVG das wollten, was sie sollten, nämlich auf die Einhaltung von Regeln achten, dann könnten sie das auch. Und wenn der Senat Liberalität nicht mit Liberallala verwechseln würde, dann ginge das erst recht. New York hat’s ja auch geschafft. Und London bald auch.

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