Auf den Punkt : Retter in Not

Henrik Mortsiefer zur möglichen Übernahme von Opel durch Fiat

Henrik Mortsiefer

BerlinEs läuft gut für Opel. Nachdem sich lange niemand für die General-Motors-Tochter zu interessieren schien, melden nun gleich mehrere Unternehmen Interesse an: Fiat, der Autozulieferer Magna, der russische Hersteller Gaz. Die Italiener wollen angeblich schon kommende Woche eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichnen. Wird alles gut bei Opel?

Nicht nur die Gegenwehr des Betriebsrats zeigt, dass vor allem eine Übernahme durch Fiat Fragen aufwirft. Was unterscheidet zum Beispiel einen Opel Corsa von einem Fiat 500? Oder einen Fiat Bravo vom Opel Astra? Die Modellpalette der beiden Hersteller hat große Schnittmengen. Hier ergänzen sich nicht zwei Marken auf dem engen Automarkt - sondern sie machen sich heftige Konkurrenz. Rätselhaft bleibt, welche strategischen Pläne der hoch verschuldete Fiat-Konzern hat. Die Italiener scheitern gerade bei dem - von manchen als größenwahnsinnig bezeichneten - Versuch, eine Allianz mit dem General-Motors-Wettbewerber Chrysler zu schmieden. Nun also Opel. Und morgen General Motors?

Die Vermutung, dass sich Fiat nicht mit dem deutschen Traditionsunternehmen zufrieden geben wird, ist nicht aus der Luft gegriffen. Selbst im Bündnis mit der gesamten europäischen GM-Tochter (einschließlich Vauxhall) käme der Fiat-Konzern (Fiat, Alfa Romeo, Lancia) auf 3,7 Millionen verkaufte Autos. Das ist viel, aber zu wenig, um im globalen Wettbewerb überleben zu können.

Für die deutschen Standorte ergibt sich die lebenswichtige Frage, ob Fiat wirklich Opel retten will - oder vielleicht doch nur ans eigene Überleben denkt. Zum Beispiel, indem Bürgschaften der Bundesregierung in Anspruch genommen werden, die die Bundeskanzlerin nur gewähren will, wenn Opel einen Investor gefunden hat. Dieser Preis wäre für Opel und die deutschen Steuerzahler eindeutig zu hoch.

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