Auf den Punkt : Salbe für die Apotheker

Maren Peters zum Doc Morris-Urteil

Maren Peters
Maren Peters,

Was für ein Glück für die Deutschen und ihre Gesundheit! Sie dürfen ihre Pillen, Zäpfchen und Salben auch künftig beim alteingesessenen, allzeit vertrauenswürdigen Apotheker an der Ecke kaufen, der immer nur das Wohl der Patienten im Blick hat. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn das der vorwitzige Doc Morris aus Holland übernommen hätte, der (nach Einschätzung der Apotheker) immer nur an das eine denkt, nämlich ans Geldverdienen. Ihm und Kettenapotheken wie seinesgleichen hat der Europäische Gerichtshof nun vorerst das Handwerk gelegt. Sie bleiben in Deutschland auf absehbare Zeit verboten.

Klar, dass die alte Zunft da jubelt und als Sieg über die „Heuschrecken“ feiert: Der EuGH hat mit seiner Entscheidung ein System zementiert, dass die gut 21.000 deutschen Apotheker auch künftig weitgehend vom Wettbewerb ausnimmt und ihnen Planungssicherheit garantiert. Wie bisher darf auch künftig nur ein selbstständiger Apotheker eine Apotheke mit maximal drei Filialen führen.

Gegen Planungssicherheit für einen wichtigen Berufsstand ist natürlich nichts einzuwenden. Absurd ist jedoch die Begründung des EuGH: Der argumentiert nämlich, dass die deutsche Sonderklausel zwar eigentlich nicht mit der Niederlassungsfreiheit der EU vereinbar ist; in der Abwägung hält er aber die sichere Arzneiversorgung der Deutschen für das höhere Gut. Und die, meinen die Richter, könne nun mal besser durch einen selbstständigen Pharmazeuten gewährleistet werden als durch eine Kapitalgesellschaft, die nur mit angestellten Apothekern arbeitet.

Wenn das tatsächlich so wäre, wäre das allerdings eine Riesenblamage für die Apothekerschaft. Das hieße nämlich, dass nur Inhaber selbstständiger Apotheken die richtigen Pillen in richtiger Dosierung an die Patienten herausreichen, ihren angestellten Berufskollegen dagegen nicht zu trauen ist. Das ist natürlich Unsinn. Wenn das so wäre, müsste der Krankenstand in Nachbarländern wie Großbritannien, Frankreich oder Norwegen längst nach oben geschnellt sei, dort gibt es nämlich schon länger Kettenapotheken mit angestellten Apothekern. Ist aber nicht so. Viel ehrlicher als die Gesundheit der deutschen Verbraucher vorzuschieben, wäre es, zuzugeben, dass bei diesem Urteil vor allem Gesundheit und Einkommen des deutschen Apothekerstands gewahrt werden soll.

Dem Verbraucher kann das im Prinzip egal sein. Einen Preiswettbewerb gibt es in Deutschland - ob mit oder ohne EuGH-Urteil - ohnehin nur bei verschreibungsfreien Medikamenten, die er schon lange günstig im Internet bestellen kann, bei Doc Morris und anderen. Zu Risiken und Nebenwirkungen kann er dann immer noch einen Apotheker fragen. Per Telefonhotline.

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