Auf den Punkt : Sarrazins Speiseplan

Rüdiger Schaper zum Ernährungsplan des Finanzsenators, Schlemmen auf der Berlinale und Kinder beim Metzger.

Rüdiger Schaper
Rüdiger Schaper

Was für ein geschmackvolles Timing! Auf der Berlinale jagt ein Buffet die nächste Party, und Berlins Finanzsenator Thilo Sarrazin rechnet den Hartz IV-Empfängern mal vor, wie man mit 3,98 Euro pro Tag ein reichhaltiges Frühstück, Mittagessen und Abendbrot auf den Tisch bringt. Da passt es gut, dass Rauchen in der Öffentlichkeit jetzt verboten ist - denn Geld für Zigaretten oder ein Glas Bier steht ohnehin nicht auf der Rechnung des SPD-Politikers.

Hartz IV, das ist schon richtig, soll verhindern, dass es sich Arbeitslose gemütlich machen. Es soll ein Anreiz sein, einen Job zu finden. Im Idealfall geht es hier auch nur um eine Übergangszeit. Aber die Symbolik dieses arbeitspolitischen Instruments hat nunmehr einen schlechten Geruch. Bei dem Namen Hartz denkt man zwangsläufig an Manager und exotische Lustreisen. Umso degoutanter und zynischer nun Sarrazins Speiseplan für Arme. Er setzt voraus, dass Lebensmittel in großen Mengen und Vorratspackungen gekauft werden und sonst nichts Unvorhergesehenes eintritt in betroffenen Familien.

„Arm, aber sexy - so hat der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit sein Berlin-Motto wohl nicht gemeint. Tagein, tagaus Spaghetti, Leberkäse, Sauerkraut! Jonathan Swift, der große Satiriker der englischsprachigen Literatur, überraschte 1729 die Öffentlichkeit mit einem ungewöhnlichen Vorschlag. Damals herrschte in Irland große Hungersnot, und Swift regte an, dass arme Leute ihre viel zu zahlreichen Kinder zum Metzger geben sollten. Guten Appetit! Und noch eine schöne Berlinale!

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