Auf den Punkt : Schafft eins, zwei, viele Baugruppen!

Ralf Schönball über die Rückkehr der Familien nach Berlin

Ralf Schönball
Ralf Schönball
Ralf Schönball -Foto: Kai-Uwe Heinrich

BerlinDie Krise hat auch gute Seiten: Weil große Bauträger und kleine Spekulanten bei den Banken keinen Kredit mehr haben, kommen nun andere zum Zuge. Familien mit Kindern. Senioren. Und Leute mit wenig Geld, aber viel Initiative. Die Rede ist von Baugruppen, die wie eine Volksbewegung Berlin erobern. Schöner Wohnen in der Innenstadt! Das ist ihr Credo. Und das heißt in diesem Fall auch: Verantwortung übernehmen für das eigene Quartier, gute Nachbarschaft inklusive.

Denn hier baut nicht jeder für sich das eigene Heim auf der eigenen Scholle und schottet sich ab mit Jägerzaun oder Maschendraht. Hier schwören sich bis zu 300 Menschen auf das gemeinsame Ideal ein, lebenswerte, lebendige Stadtquartiere zu erschaffen. Deshalb richtet fast jede Baugruppe einen gemeinsamen Garten, eine gemeinsame Dachterrasse oder sonst einen besonders schönen Platz für die Gemeinschaft ein.

Man kann sich gut ausmalen, wie schwer die Abstimmung solcher Projekte in der deutschen Hauptstadt der Individualisten ist. "Einige planen ewig und bauen nie", sagt eine Beraterin. Wahr ist aber auch: "Andere ziehen nach 15 Monaten in die eigene Wohnung ihres gemeinsamen Hauses ein." Dort erleben sie dann eine Gemeinschaft, die Widerstände und Widrigkeiten zusammengeschweißt hat.

Deshalb tut der Senat gut daran, den Verkauf landeseigener Grundstücke an Baugruppen anzukurbeln. Von der Rückkehr der Bürger in die Stadt profitiert ganz Berlin: Der Verkehr nimmt ab und die Kaufkraft zu. Das lockt sogar Menschen aus München oder Stuttgart in Baugruppen, nach Berlin. Weil sie hier außerdem noch Cafés und Kultur wie nirgendwo sonst in Deutschland finden - Berliner Wohn- und Stadtkultur eben.

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