Auf den Punkt : Schüler benoten Lehrer

Tissy Bruns schreibt über Schüler, die ihre Lehrer benoten dürfen.

Tissy Bruns
Tissy Bruns, Leitende Redakteurin (Parlament)Foto: Kai-Uwe Heinrich

Lehrer machen es ohnehin, Schüler können es neuerdings: Zensuren verteilen. Der zweite Anlauf einer Gymnasiallehrerin, das Internetforum "Spickmich.de" mit einer einstweiligen Verfügung lahm zu legen, ist vor dem Kölner Oberlandesgericht gescheitert.

Bei Spickmich können Schüler ihre Lehrer in verschiedenen Kategorien - wie "fachlich kompetent", "cool und witzig", "beliebt", anfangs auch "sexy" - benoten. Schüler, seit Generationen ungerechten Lehrerurteilen ausgesetzt, können im Internet endlich einmal zurückschleudern - wie David. Aus Spickmich soll ein bundesweites Lehrer-Ranking werden. Ist das nicht superdemokratisch? Nein, es ist superdumm.

Meinungsfreiheit der Schüler versus Persönlichkeitsrecht der Lehrer, danach haben die Kölner Richter abgewogen. Die Abwägung unterstellt eine Art von Klassenkampf, die den deutschen Schulen den Rest geben kann. Denn der Kern der deutschen Bildungskrankheit ist nicht Unterfinanzierung, nicht falsche Schulstruktur oder rückständiger Fächerkanon. Die Lernatmosphäre an unseren Schulen ist gestört, es herrscht Schüler- und Lehrerfrust, statt Lern- und Leistungslust. Lehrer müssen sich kritisieren lassen. Aber nicht im total öffentlichen Raum. Denn durch Mehrheitsentscheidungen wird niemand zum guten Lehrer, höchstens zum Angsthasen. Wir haben schon ein Überangebot an frustrierten Lehrern. Schülerrrankings schaffen Lehreropportunisten - doch welcher Schüler braucht denn die?

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