Auf den Punkt : Sieben Tage bis zum Weltuntergang

Antje Sirleschtov über den Volksentscheid zum Flughafen Tempelhof

Antje Sirleschtov Foto: Kai-Uwe Heinrich
Antje Sirleschtov, Reporterin der Parlamentsredaktion -Foto: Kai-Uwe Heinrich

Noch sieben Tage sind zu überstehen bis zum Volksentscheid über die Zukunft des Tempelhofer Flughafens. Oder sollte man doch besser sagen, noch sieben Tage bis zum Weltuntergang? Genau dahin driftet nämlich die Diskussion im Augenblick. Zumindest hat man diesseits vom Brandenburger Tor den Eindruck davon. Und mit diesseits ist diesmal ganz klar Ost-Berlin gemeint. Nur zur Erläuterung, weil ja, Gott sei Dank, nicht bei jeder Debatte in Berlin noch immer deutlich die Fronten auszumachen sind.

Hier schon: Wer heute daherkommt mit dem Argument, diese Stadt hat endlich mal die Chance, auf einem gewaltigen Areal moderne Stadtplanung zu zeigen, muss in Deckung gehen. Man outet sich nämlich sofort als Geschichtsklitterer. Ach, was heißt Geschichtsklitterer: Ein ewig Gestriger aus dem Osten muss man sein, wenn man so denkt. Schließlich tut man eindeutig kund, die Rosinenbomber-Heldentaten der West-Berliner der ewigen Vergessenheit anheim fallen lassen zu wollen. Und andersherum, da sieht's nicht viel anders aus. Man findet einen innerstädtischen Flughafen eigentlich gar nicht so schlecht? Sofort wird man zum Hassobjekt für halb Kreuzberg und Schöneberg obendrein. Schließlich muss ein mieses Umweltschwein sein, wer Fluglärm und Dreck akzeptieren will.

Was für ein Unsinn ist das alles, was für ein vollkommen überzogenes Betroffenheitsgehabe um diesen Flughafen. Nur in den monatelangen Jammerorgien der Wilmersdorfer Betroffenenclubs in Sachen Bahnhof Zoo hat man Ähnliches gesehen. Wenn die Ossis vor 20 Jahren bei jeder Änderung so ein Theater veranstaltet hätten, wie das jetzt im West-Berliner Establishment geschieht, dann Gute Nacht Wiedervereinigung.

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