Auf den Punkt : So muss es sein

Werner van Bebber über die Berliner Kriminalitätsstatistik

Werner van Bebber
Werner van Bebber
Werner van Bebber, Reporter -Foto: Kai-Uwe Heinrich

BerlinKonsequenz lohnt sich. Das zeigt die neue Kriminalitätsstatistik der Polizei auf doppelte Weise. Erstens hat die konsequent täterorientierte Ermittlungsarbeit dazu geführt, dass jugendliche Gewalt- und Serientäter als solche erkannt und entsprechend behandelt werden. Polizisten, Jugendstaatsanwälte und auch Richter haben heute einen Überblick über kriminelle Karrieren. Sie können besser denn je beurteilen, ob ein jugendlicher Delinquent nur eine deutliche Ansage des polizeilichen Ermittlers oder des Staatsanwaltes braucht - oder eben mehr Härte spüren muss, um zu reagieren und sein Verhalten zu ändern. Das Konzept "täterorientierte Ermittlung" haben Praktiker entwickelt, die sich zuvor viele Jahre über die bürokratisch und politisch gesetzten Behinderungen einer resoluten Kriminalitätsbekämpfung beklagt haben. Die Erfolge zeigen, wie richtig sie mit ihrer Kritik lagen.

Konsequente Strafverfolgung hat dazu geführt, dass junge Gewalt- und Serientäter mit einer Haftstrafe rechnen müssen. Und es zeigt sich, dass solche Haftstrafen eben durchaus mittelbare Wirkung haben: auf die Gang, auf die anderen, die noch draußen sind. Polizei, Staatsanwaltschaft und Jugendrichter sind seit ein paar Jahren keine lächerlichen Instanzen mehr, die ein Nachwuchsstraftäter nach Belieben und mit schauspielerischem Talent milde stimmen kann. Notorische Schläger und Räuber erleben, dass der Verstoß gegen alle Regeln Folgen hat. So muss es sein.

Dass Konsequenz allein nicht alle Probleme löst, versteht sich. Die mit der Jugendgewalt vertraute Richterin Kirsten Heisig macht im Berliner Bezirk Neukölln Erfahrungen, die nicht zur Tendenz der Kriminalitätsstatistik passen. Da dürfte sich das genaue Hinsehen lohnen. Auch hier empfiehlt es sich, die Praktiker sprechen zu lassen. Die wissen besser als die meisten Politiker, was diejenigen brauchen, mit denen sie es täglich zu tun haben.

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