Auf den Punkt : So sind die Berliner

Fatina Keilani über Thilo Sarrazins umstrittene Äußerungen

Fatina Keilani

BerlinJetzt regen sich wieder alle schön auf über Thilo Sarrazin und seine Äußerungen – wie verlogen! Die meisten Menschen denken genau das gleiche wie er, nur haben sie nicht die Stirn, es auch zu sagen, und hat er denn nicht Recht? Wer nach der Wende aus Westdeutschland nach Berlin kam, hatte ein Schockerlebnis nach dem anderen. Die Eingeborenen: larmoyant und großkotzig zugleich, gutes Benehmen null – und was sie für Energie aufwendeten, um sich die Arbeit vom Hals zu halten! Die Subventionsmentalität, die Sozialstruktur, die Selbstherrlichkeit der Bürokraten, das hat jeder erlebt, der herkam. Sarrazin hat das einfach nur beschrieben, in klaren Worten. Selbst die Empörung darüber ist typisch Berlin. Wer ein schlechtes Gewissen hat, der feuert um so heftiger zurück, wenn er sich angegriffen fühlt. Und angegriffen fühlt sich der Berliner ständig.

Und dann das mit den Ausländern: Gut, Sarrazin hat vielleicht ein wenig zugespitzt. Aber wer sich aufregt, der sollte erst einmal das ganze Interview lesen. Es ist fünf Seiten lang und lässt das Bild eines realistischen, nachdenklichen Mannes erkennen, der die Lage treffend analysiert und dem bestimmte Phänomene Sorge bereiten. Er vergleicht unser System mit anderen auf der Welt, und das geht nicht immer gut für uns aus. Bei uns ist es für die Leistungsunwilligen zu gemütlich, meint Sarrazin. Man müsse ihnen mehr abverlangen, das sei auch gut für die Integration. Vielleicht ist Thilo Sarrazin kein besonders typischer Sozialdemokrat. Aber was er sagt, ist hilfreich, und es ist die Auseinandersetzung wert. Schade, dass das nicht gewürdigt wird.

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