Auf den Punkt : Stoiker im Boxsack

Werner van Bebber über die Fixerszene am Kottbusser Tor

Werner van Bebber
Werner van Bebber
Werner van Bebber, Reporter -Foto: Kai-Uwe Heinrich

BerlinFranz Schulz hat das Gemüt eines Boxsacks. Der grüne Bürgermeister von Kreuzberg-Friedrichshain steckt Attacken gegen seine Amtsführung meistens ohne Widerspruch ein. Im Innern des Boxsacks steckt ein Stoiker, der so lange an Gegensätzen, Widersprüchen und Widerständen herummoderiert, bis alle außer ihm konfliktmüde sind.

Derzeit steckt Schulz mal wieder in einem scheinbar unlösbaren Dilemma. Es geht um die offene Fixerszene am Kottbusser Tor in Berlin-Kreuzberg. Nach vielen Jahren der Koexistenz haben Anwohner genug von der Szene mit ihren abstoßenden und kriminellen Begleiterscheinungen - und viele von denen, die mit der Szene nicht mehr leben wollen, sind Türken oder türkischer Herkunft. Es sind die, die am Kottbusser Tor als Geschäftsleute legal ihr Geld verdienen. Schulz steckt zwischen zwei der grünen Lieblingsminderheiten und muss abwägen, wessen Interessen ihm wichtiger sind: die der Junkies oder die der Türken.

Deren Anwälte finden sich ausgerechnet in der Kreuzberger CDU, einer Splittergruppe in einer Landschaft, die von grünen Allestolerierern geprägt ist. Der Konflikt köchelt vor sich - noch helfen sich die Kreuzberger Steuerzahler nicht selbst. Die Vorschläge zur Lösung des Konflikts zeigen mal wieder, wessen Probleme man im Bezirksamt Kreuzberg-Friedrichshain als nachrangig betrachtet: die der Anwohner, Geschäftsleute, Steuerzahler. Schulz und seine Mitstreiter suchen nach dem Standort für eine neue Fixerstube direkt am Kotti - ein Umzug weg von ihrem Platz ist den Junkies nicht zuzumuten.

Wenn sich die Kreuzberger Politik wie üblich Zeit lässt und erst mal einen runden Tisch installiert, moderiert sich die Lösung von allein heraus. Vermutlich wird am Kottbusser Tor bald ein Ladenlokal frei - ein Drogenraum genau da, wo man ihn braucht.

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