Auf den Punkt : Tesi statt Stasi

Lorenz Maroldt über Telegate

Lorenz Maroldt
Lorenz Maroldt
Lorenz Maroldt, Chefredakteur -Foto: Kai-Uwe Heinrich

Die Stasi war früher, heute gibt's die Tesi: die Telekomsicherheit. Die Methoden sind ähnlich. Das Unternehmen spitzelt und lässt spitzeln. Telefonverbindungen werden ausgeforscht, versteckte Kameras aufgestellt, Mitarbeiter und Journalisten beschattet - perfekt, das ganz große Netz. Ehemalige Geheimdienstler helfen dabei. Dagegen wirken Ernst Uhrlaus gescholtene Nachrichtendienstler mit ihren peinlichen "Beifängen" wie Hobbyfischer, die ihre Plastikruten mit armen Würmchen als Köder dran in den Ozean halten.

Der Telekomskandal macht erst so richtig klar, was für eine Macht der Staat damals verkauft hat, als er die Lizenz zur Leitung erteilte: Information. Allumfassende Information. Information ist alles. Die Unternehmen haben sie. Die Versuchung ist wohl zu groß, der Missbrauch liegt zu nah. Und eigentlich dürfte jetzt auch nur der Naivste staunen. Was würde man denn erwarten, wenn man Junkies zu Drogenfahndern machte?

Aber empören, das darf man sich schon. Auch darüber, wie viele aus Führung und Aufsicht angeblich mal wieder nichts gewusst haben oder auch nur geahnt haben wollen. Wer Spitzel beauftragt, muss sie auch bezahlen. In einem Unternehmen wird das abgezeichnet, geprüft, gegengezeichnet. Da will sich niemand gewundert haben?

Die Telekomführung hat sich über die Jahre immer wieder darüber geärgert, dass Internes aus wichtigen Sitzungen nach draußen gelangte und dann in Magazinen und Zeitungen stand. Jeder dort musste wissen, dass eine Enttarnung derjenigen, die da geplaudert haben, nur mit schmutzigen, verbotenen Tricks gelingen würde. Aber sie wussten auch, wie leicht es ist. Sie saßen ja selbst auf der Lösung, als Leiter der Leitungen, durch welche die Indiskretionen flossen. Das macht die Schweinerei zur Sauerei.

Wer noch immer Telekom-Aktien hat, also Miteigentümer dieser gigantischen Schnüffelbude ist, der sollte einen Aufstand anzetteln im Unternehmen - oder sich was schämen und seine Wertpapiere verbrennen.

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