Auf den Punkt : Verdi muss sich entschuldigen

Ulrich Zawatka-Gerlach über den Tram-Streik

Ulrich Zawatka-Gerlach
Ulrich Zawatka-Gerlach, Redakteur -Foto: Mike Wolff

Verdi ist nicht mehr zu retten. Seit Wochen schon ist der wild gewordene Streikführer Frank Bäsler bemüht, die eigene Gewerkschaft aufs Abstellgleis zu schieben. Der Mann ist entweder dumm oder er hat Allmachtsphantasien. Vielleicht trifft beides zu. Ein Schnips mit den Fingern - und schon fährt die Straßenbahn nicht mehr. Die Menschen, die täglich darauf angewiesen sind und heute früh überhaupt keine Chance hatten, sich auf den Tram-Streik einzustellen, konnten sehen, wo sie bleiben. Das war eine besonders perfide Aktion, denn Straßenbahnen sind in der Regel dort unterwegs, wo U- und S-Bahn gar nicht und Busse selten fahren. Das traf besonders die Bewohner der östlichen Außenbezirke. Ihnen wurde nicht einmal die Möglichkeit gegeben, sich auf diesen Warnstreik einzustellen und früher als sonst zur Arbeit oder Schule aufzubrechen.

Die Gewerkschaft hat es offenbar nicht mehr nötig, mit den Berlinern zu kommunzieren. Das ist nicht nur unverhältnismäßig, wie der Berliner Fahrgastverband sagt. Das ist unverschämt und inakzeptabel. Verdi muss sich dafür entschuldigen. Wieder einmal werden nicht die Arbeitgeber bestreikt, sondern Teile der Bevölkerung. Jetzt fehlt nur noch, dass der Busfahrer-Führer Bäsler den Generalstreik gegen die BVG-Fahrgäste ausruft. Ohnehin scheint er einiges durcheinander zu bringen: Der Mann kämpft derweil auch mit allen Mitteln gegen die eigene Berliner Verdi-Spitze. Die Gewerkschaftschefin Susanne Stumpenhusen ist nämlich eine durchaus verständige Frau. Diese saublöde Tarifkampf-Taktik passt nicht zu ihr und so liegt der Verdacht nahe, dass die Hardlinerfraktion bei Verdi die Situation nutzt, um die gewerkschaftsinterne Machtfrage zu stellen. Bäsler gehört als Verhandlungsführer im BVG-Tarifstreit abgelöst. Denn er verschleudert gerade mit seinem irren Kampf für die bestbezahlten Busfahrer Europas den letzten Rest an Reputation, den Verdi in Berlin noch genießt.

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