Auf den Punkt : Vermülltes Verhalten

Werner van Bebber zur Sicherheit in Berlin

Werner van Bebber
Werner van Bebber
Werner van Bebber, Reporter -Foto: Kai-Uwe Heinrich

BerlinBerliner Busfahrer sind Prügelknaben geworden. Mag sein, dass sie im bundesweiten Vergleich nicht die höflichsten und freundlichsten sind. Mag sein, dass sie im normalen Umgang einigermaßen zivilisierter Menschen miteinander eher Pampigkeit als Charme walten lassen. Das kann kein Grund dafür sein, dass Leute die Frage nach dem Fahrschein mit einem Faustschlag ins Busfahrergesicht beantworten.

Aber Berliner Busfahrer bekommen seit Jahren regelmäßig aufs Maul. Das Busfahrer-Bashing ist zum Berliner Phänomen geworden. In anderen großen deutschen Städten lassen es Kommunalpolitiker und Polizei nicht zu, dass solche Unsitten zu Trends werden - hier hat man sich daran gewöhnt. Man hat sich daran gewöhnt, weil es in Berlin einen Verfall der Umgangsformen gibt, den die schweigende Mehrheit mit Bedauern, aber eben schweigend akzeptiert. Wer nicht schweigt, wenn in der U-Bahn irgendjemand irgendjemanden blöde anmacht, riskiert seine Gesundheit.

Das ist in anderen Städten nicht anders - siehe die Münchner U-Bahn-Schläger. Doch es wird in Berlin zum Breitenphänomen. Im Bus, in der U-Bahn, im Park, auf Gehwegen, auf Radwegen, im Straßenverkehr kehrt das Recht des Stärkeren zurück. "Mir ist noch nie was passiert", sagen manche Leute. Aber anderen passiert ein bisschen viel.

Es geht nicht darum, eine Ordnung wiederherzustellen, die viele als erdrückend wahrgenommen haben, die in den 50er und 60er Jahren in ihr groß geworden sind. Alte Leute, die permanent Kinder maßregeln und "Respekt" verlangen, Umgangsformen, die nach militärischen Kategorien von Befehl und Gehorsam vermittelt werden - das will niemand zurück. Aber eine öffentliche Ordnung, in der ein gewaltfreier Umgang miteinander Gesetz ist, hat extrem viel für sich.

Gesetze, Regeln müssen verbindlich durchgesetzt werden. Das hat nichts mit Spießigkeit zu tun, sondern mit dem Schutz derer, die sich auf eine Schlägerei nicht einlassen können oder wollen. Aber verbindlich sind längst nicht mehr alle Regeln im Berliner Alltag. Die böse alte "Broken-Windows"-Theorie bezieht sich nicht allein auf kaputte Fenster, sondern auf menschliches Verhalten. Auch Umgangsformen können vermüllen. Ordnungsamtsleute, die sich nicht trauen, die Hundeverordnung gegen Pitbull-Besitzer durchzusetzen, Streifenwagenbesatzungen, die lieber nicht gegen den Besitzer des schwarzen BMW vorgehen, der in der Hermannstraße stundenlang in der zweiten Reihe parkt, sind nicht die Ursache des Problems mit den öffentlichen Umgangsformen. Aber sie könnten der Anfang seiner Lösung sein. Wenn Politiker sagen: Dafür brauchen wir dann aber mehr Polizisten, könnten sie sogar mal recht haben.

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