Auf den Punkt : Viel Staub um nichts

Lorenz Maroldt zur Umweltzone

Lorenz Maroldt
Lorenz Maroldt
Lorenz Maroldt, Chefredakteur -Foto: Kai-Uwe Heinrich

Das waren hundert harte Tage für die Umweltbürokraten des Berliner Senats. Eigentlich wollten sie die Stadt entstauben. Das hat leider nicht ganz funktioniert: Es werden weiterhin hohe Feinstaubwerte gemessen - trotz Umweltzone, und obwohl der Winter umweltfreundlich mild war. Auch ansonsten gab es mehr schlechte Nachrichten als gute: Die Biotonne macht krank. Der Biosprit macht Hunger. Das Rauchverbot in Kneipen wird ignoriert. Im Senatsfuhrpark sind jetzt auch Jaguars erlaubt. Als Umweltsenatorin kann man sich da eigentlich den Hanfstrick nehmen.

Mit einem irrsinnigen Aufwand hat die Verwaltung an einer ganz kleinen Schraube gedreht, und jetzt hält sie nicht mal richtig. Hunderttausende Autofahrer mussten sich eine Plakette kaufen, um zu signalisieren, was ohnehin jeder auf einen Blick erkennt, der auch nur ein bisschen was von Autos versteht: Der halbwegs neue Mercedesaudivolkswagenopelporsche hat einen Filter, der alte nicht. Sauber sind die plakettierten Kisten deswegen noch lange nicht. Freien Zugang zur City bekommen ja auch scheinbar moderne Superspritschleudern. Und die alten Filterlosen, von denen es gar nicht mehr so viele und immer weniger gibt, sind eben nur ein paar Flocken in der Wolke. Die ganze Umweltzonenfeinstaubenergie ist also im Wesentlichen nervtötender Aktionismus, der sich an Nebensächlichkeiten ergötzt. Wenn sie es ernst meinen, warum verhängen sie dann keine Fahrverbote, sobald der Grenzwert überschritten ist?

Wahrscheinlich wird sich herausstellen, dass die BVGler schuld sind, weil wegen der Streiks mehr Leute mit dem Auto gefahren sind als erwartet. Oder es erklärt ein Senatsmeteorologe, dass eine anhaltende, unerwartete Südwestluftströmung den Feinstaub der nach Kleinmachnow, Zehlendorf und Grunewald ausgesperrten Youngtimer in die Neuköllner Silbersteinstraße gepustet hat. Vielleicht hat auch eine Untergrundorganisation von IHK und CDU heimlich in der Stadt Teppiche ausgeklopft, um den Senat zu blamieren. Ach, soll doch die Verwaltung ihre Feinstaubverordnung in die Biotonne stopfen. Aber dann bitte nicht mehr öffnen - Gesundheitsgefahr!

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