Auf den Punkt : Was ist kindgerecht?

Ursula Weidenfeld über Werbung an Berliner Spielplätzen.

Ursula Weidenfeld
Ursula Weidenfeld.Foto: Kai-Uwe Heinrich

„Nimm2“ an der Rutsche. „Fruchtzwerge“ im Sandkasten. „Goldbären“ am Klettergerüst. So stellt sich der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf wohl die Belegung der Werbeflächen vor, die künftig auf Spielplätzen erlaubt sein soll, im Gegenzug dafür, dass private Unternehmen für die Erhaltung und die Ausstattung von Spielplätzen bezahlen. Mit einem Schulbuchverlag wird schon verhandelt.

Gegen privates Sponsoring öffentlicher Spielplätze ist gar nichts einzuwenden, im Gegenteil: Wenn die Spielplätze und Grünflächen drumherum mit privater Unterstützung sauber gehalten und die Papierkörbe geleert werden, dann haben alle etwas davon. Trotzdem aber gibt es einen kleinen, aber feinen Unterschied zwischen Sponsoring und Werbung. Wer ein Vorhaben sponsort, unterstützt das Anliegen und ist bereit, selbst dahinter zurückzutreten. Werbung funktioniert umgekehrt. Wer wirbt, möchte in erster Linie sein Produkt verkaufen. Ein Spielplatz aber ist kein Fußballstadion. Deshalb ist es sehr in Ordnung, wenn sich hier Unternehmen engagieren, die ein Interesse daran haben, dass Kinder in einer guten Umgebung mit interessanten Spielgeräten spielen können. Natürlich dürfen sie das der interessierten Öffentlichkeit auch mitteilen, und sie selbst sollten in ihrer eigenen Firmenkommunikation kräftig damit prahlen dürfen.

Nicht in Ordnung aber ist Bandenwerbung – erst Recht nicht, wenn die Bezirke so tun, als würde nur kindgerechten Produkten ein Platz vermietet. Es wäre doch absurd, wenn in einem Bezirk mit einer politisch grün eingestellten Klientel Biowerbung erlaubt würde, die großen Nahrungsmittelkonzerne aber außen vor bleiben sollten. Oder wenn in Kreuzberg McDonalds verboten würde, in Zehlendorf dagegen nicht. Und: Wer entscheidet denn, was kindgerecht ist? Diese Entscheidung sollte doch bitte schön den Eltern überlassen werden.

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