Auf den Punkt : Who the f… is England?

Axel Vornbäumen über Englands EM-Desaster

Axel Vornbäumen Foto: Kai-Uwe Heinrich
Axel Vornbäumen, Redakteur für besondere Aufgaben -Foto: Kai-Uwe Heinrich

Hüftsteif wie ein Oberkellner, der in einem Luxusrestaurant Filet Mignon serviert – ungefähr so sah Englands Torwart Scott Carson am Mittwochabend  im Wembley-Stadion aus, als der Ball direkt neben ihm zum 1:0 der Kroaten im Netz einschlug. Bitte, so viel Tragikomik war schon lange nicht mehr. Am Ende hieß es aus Sicht der Engländer 2:3, und man weiß nicht so genau, wem man mehr dafür danken soll, dass wir nun ohne England zur EM fahren: Comical Carson, diesem Unglückswurm? Oder doch besser seinem vertrottelten Trainer Steve McClaren, der es fertig brachte, einen Beinah-Debütanten für Englands wichtigstes Spiel des Jahres zwischen die Pfosten zu stellen? Egal. Die Inselkicker werden nun allerdings substituiert durch ein Russland, das seinerseits den Fußball-Riesen Andorra mit 1:0 niederkartätschte. Fußball-affine Feingeister werden darin wenig Trost finden. Der Rest schon.

Dass England nicht dabei ist, ist trotzdem gut. Italien hätte es meinetwegen ruhig auch noch erwischen können. Immerhin hat sich jetzt Italiens Coach Roberto Donadoni in unser aller Herzen geschleimt, weil er sich Papst Benedikt XVI. extrem nahe wähnt. Donadoni sieht ganz super viele Parallelen zwischen sich und dem Papst, im Wesentlichen zusammengefasst läuft es aber darauf hinaus, dass beide lange Zeit verkannt worden seien. Und weil das jetzt nun ausgeräumt ist, können wir wiederum behaupten: „Wir sind Donadoni!“ Natürlich nur, bis wir die Italiener dann aus der Vorrunde kegeln, die, und die Ösis natürlich. Im Viertelfinale könnte dann wieder Polen auf uns warten und Jogi Löw könnte noch mal in memoriam Jürgen Klinsmann eine schöne Kabinenansprache halten: „Den EM-Titel laschen wir unsch von niemandem wegschnappen. Und schon gar net von den Polen…“ Und Wortmann ist wieder mit der Handkamera dabei, ergriffen wie Harry. 

Mit England hat das alles nix zu tun. Nix mehr. Who the f… is England? England ist das Land, da wo sie die CDs nicht finden, die sie von ihren Kindergeldbeziehern gebrannt haben. Vielleicht wird ja wenigstens da nun was besser. Seit Mittwochabend haben sie elf Leute mehr, die sie zum Suchen einsetzen können. 

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