Auf den Punkt : Wie im alten Rom

Moritz Schuller über die kriegsmüden Europäer

Moritz Schuller
Moritz Schuller, Meinungsredakteur -Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Durch die von Guido Westerwelle ausgelöste Debatte über den deutschen Sozialstaat wurde wenigstens eines geklärt: das römische Reich ist nicht wie Elvis an Herzverfettung gestorben, nicht an Überfluss und Übermaß, sondern ist am Ende von seinen Feinden militärisch besiegt worden. So gehen Imperien nämlich für gewöhnlich unter: die Bevölkerung ist kriegsunwillig, die Armee unterbesetzt und die Grenzen sind nicht mehr zu halten.

Die Europäer sind kriegsunwillig und die Armeen unterbesetzt, sagt der amerikanische Verteidigungsminister. Er nennt das nicht Dekadenz, sondern Europas Entmilitarisierung. In Europa seien „große Teile der Öffentlichkeit und der politischen Klasse militärischer Gewalt und den damit verbundenen Risiken gegenüber abgeneigt“, sagte Gates am Dienstag in einer Rede an der National Defence University, einer Hochschule des Pentagon.

Wie sehr Gates Recht hat, zeigt das Zerbrechen der Regierung in den Niederlanden wegen des Einsatzes in Afghanistan. Eine Umfrage in Deutschland würde vermutlich belegen, dass die Mehrheit für einen Rückzug der Bundeswehr ist. Europa will nicht mehr Krieg führen. Eine Tatsache, sagt Gates, die sich „von einem Segen im 20. Jahrhundert zu einem Hindernis für echte Sicherheit und dauerhaften Frieden im 21. Jahrhundert“ gewandelt habe.

Das Europäische Reich, diese posthistorische Konstruktion, versucht längst ohne Krieg auszukommen. Aus Sicht des amerikanischen Verteidigungsministers gefährdet das die Sicherheit Europas. Aus Sicht des ehemaligen deutschen Verteidigungsministers auch. Es wäre beruhigend, wenn jemand aus der Führung dieses Europäischen Reiches dem überzeugend widersprechen könnte.

0 Kommentare

Neuester Kommentar