Auf den Punkt : Wir haben einen Kader!

Helmut Schümann macht sich Gedanken über die Ernennung der Spieler von Löws Fußballmannschaft.

Helmut Schümann
Helmut SchümannFoto: Kai-Uwe Heinrich

Habemus peberem! Wir haben eine Mannschaft, besser, einen Kader. Ansonsten aber war der Aufwand, den der DFB gerade auf der Zugspitze betrieb, um sein Aufgebot für die in drei Wochen beginnende Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz in etwa so bedeutungsschwer wie die Papstwahl. Nun, ja, es geht auch um etwas, mindestens um die Nation.

Überraschungen bei der Nominierung? Ja und nein. Ja, weil Bundestrainer Joachim Löw auf die bisherige Nummer zwei im Tor, den in Valencia manchmal spielenden Timo Hildebrand, verzichtete, zwei Debütanten mit der Teilnahme adelte, den Gladbacher Marko Marin und den Leverkusener Torwart René Adler, auch in der zweiten Liga suchte und fündig wurde und weil er überhaupt der Jugend eine Gasse bahnt. Und nein, weil das alles nicht so wirklich überraschend ist.

Der Kader markiert die Fortsetzung des Kaders, den Löws Vorgänger und ehemaliger Chef Jürgen Klinsmann für das Sommermärchen im Jahr 2006 programmatisch nominierte. Somit haben wir zum ersten Mal konkret etwas über Löws Denkungsart erfahren. Bislang hat er verwaltet, was Klinsmann gebaut hatte, nun war er erstmals allein in der Verantwortung, ein Projekt zusammen zu stellen. Und das ist auch dieser Kader. Löw macht weiter, wo Klinsmann aufgehört hatte: mutig, frisch, offensiv und auf eine gefühlte Weise sympathisch. Das ist dieser Kader, Egomanen sind in ihr nicht zu finden, der deutsche Fußball hat sich wohl verabschiedet von Solitären, wie sie früher Effenberg oder Matthäus darstellten.

Der Ruck, der durch den Fußball ging im WM-Sommer, der ist offensichtlich noch nicht vorbei. Der Ruck hat damals in allen Lebensbereichen gut getan. Am Ende bleiben wir Deutschen immer noch fröhlich, offen und nicht mehr so griesgrämig. Löw macht es vor. Und nun spielt mal schön.

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