Auf den Punkt : Wir sind Künstler

Joachim Huber über das Urteil des Bundessozialgerichts zur Causa Dieter Bohlen

Joachim Huber
Joachim Huber (neu)
Joachim Huber, verantwortlicher Redakteur Medien und Interaktiv -Foto: Doris Spiekermann-Klaas

BerlinDas wird die "DSDS"-Kritiker um den Verstand bringen. Wenn Dieter Bohlen über ein Minder-Talent sagt, "Eigentlich passt du ja in die Sendung wie ein Igel in die Kondom-Fabrik", dann ist das eine hammerharte Kunstkritik. Das hat nicht irgendjemand, sondern das haben die Richter vom Bundessozialgericht entschieden. Somit ist der Sender RTL endgültig verpflichtet, für die Juroren-Leistungen in der Castingshow Beiträge an die Künstlersozialkasse abzudrücken. Mit der zu zahlenden Summe von 173.000 Euro werden Künstler gegen Krankheit und Pflegebedürftigkeit abgesichert.

Das Argument der Richter für Bohlen, den Künstler, geht so: Die Juroren lieferten "eigenschöpferische, höchstpersönliche Leistungen", auf die Qualität und die "Gestaltungshöhe" dieser unterhaltenden Kunst komme es bei der Künstlersozialabgabe nicht an. Und wenn Bohlens Kommentare in die Kunst rüber lappen, dann lappt "DSDS" mit. Hurra, wir sind alle Künstler.

Dieter Bohlen wird das Urteil schmeicheln, den Sender ärgern. Ob Dieter Bohlen jetzt den Joseph Beuys macht? "Hiermit trete ich aus der Kunst aus!", hat Beuys erklärt. Da muss Bohlen mit - und seinen Austritt aus der deutschen Unterhaltungskunst erklären. Sonst wird es schwierig, sonst kommt jeder "DSDS"-Kandidat auf die Idee, seine Peinlichkeit frech mit dem Zusatz "Ist aber Kunst!" zu verteidigen. Das kann Bohlen nicht akzeptieren, er braucht ein Alleinstellungsmerkmal. Oder, in seinen eigenschöpferischen Worten: "Aus einem verkniffenen Arsch kommt kein befreiter Furz." Gilt insbesondere für Kunstärsche.

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