Auf den Punkt : Womit wir uns herumschlagen

Werner van Bebber zur Gewalt von Jugendlichen

Werner van Bebber
Werner van Bebber
Werner van Bebber, Reporter -Foto: Kai-Uwe Heinrich

BerlinJetzt haben es die Innenminister noch mal schriftlich und im Kollektiv bekommen: In Deutschland gibt es ein Problem mit gewaltbereiten jungen Männern, und dieses Problem wird langsam größer. Die Erkenntnis wird die für die Polizei zuständigen Minister nicht überraschen, denn deren Statistiker weisen seit Jahren darauf hin, dass es immer mehr Rohheitsdelikte gibt und dass schon Kinder Schlägerkarrieren beginnen. Die Studie mit dem Titel "Entwicklung der Gewaltkriminalität junger Menschen mit einem Schwerpunkt auf städtischen Ballungsräumen" sagt außerdem: Die jungen Schlägertypen sind nicht bloß das Problem von verarmten großen Städten wie Berlin. Ein paar sanftmütige Psychologen versuchen, der Entwicklung den bösen Zug zu nehmen und sagen: Es wird halt auch mehr angezeigt. Mit 236.000 Gewaltopfern hatte es die Polizei im Jahr 1997 zu tun - im Jahr 2006 waren es 390.000. Da wird dann doch sehr, sehr viel mehr angezeigt.

Man darf gespannt sein auf das, was die Innenminister aus der Studie schließen. Ursachenforschung werden sie nicht mehr betreiben müssen. Längst sind all die gesellschaftspolitischen Faktoren bekannt, die die Brutalisierung der Gesellschaft beschleunigen - die Nicht-Integration von bestimmten Einwanderergruppen, deren komplettes Desinteresse an der Kultur westlicher Gesellschaften. Dazu kommen die Sprachprobleme von Kindern in der Grundschule, die Schulversagerkarrieren begründen. Einen boshaften Seitenhieb haben die Autoren der Studie - die meisten Fachleute der Polizei - der Jugendhilfsbürokratie mit gegeben: Die meisten jungen Gewalttäter hätten irgendeinen Kontakt zum Jugendamt, zur Jugendhilfe gehabt. Geholfen hat das nichts.

Wer an alldem etwas ändern will, muss Geld ausgeben. Das liegt auf der Hand: Ohne Bildungsinvestitionen keine Migrantenkinder, die etwas lernen können, ohne Hilfe zu minimalen Bildungsstandards bei 15-jährigen Schulabbrechern keine Chance, diese Jungs auf zerstörerischen Wegen zu bremsen. Mit alldem werden die Innen- und Polizeiminister wieder auf die Finanz- und Bildungsminister zugehen. Sie werden sich um Geld und um den Umgang mit Schulschwänzern streiten. Sie werden sich im Großen und Ganzen für nur teilzuständig erklären und es kleinen Kommunalpolitikern überlassen, in Modellprojekten Schulschwänzer die Polizei nach Hause zu schicken. So macht man das nicht in Berlin, wo es nötig wäre, aber in Berlin-Neukölln, wo man aus der Notwendigkeit Schlüsse gezogen hat.

Man kann sagen: Ein paar Generationen werden sich noch mit dem Problem verrohter Jugendlicher herumschlagen müssen. Ein paar Generationen von Rentnern sollten sich überlegen, ob sie sich mit jungen Männern über das Rauchen in der U-Bahn streiten. So ist das eben. Leider.

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