Auf den Punkt : Zu dumm für die Zukunft

Gerd Appenzeller über deutsche Eigentümlichkeiten

Gerd Appenzeller

Die Deutschen sind ein Volk auf dem absteigenden Ast, rein demografisch. In 50 Jahren sind die sogenannten neuen Länder, also die  frühere DDR, menschenleer, weil dort mehr Menschen sterben als geboren werden. Dann können wir in der Uckermark den Auerochsen wieder ansiedeln, wird ja auch schon versucht. Auch, wenn wir weniger werden, werden wir nicht klüger. Das ist zwar eigentlich logisch, aber perspektivisch doppelt dumm. Einmal weil überhaupt. Zum zweiten aber, weil wir mit den wenigen Menschen, die wir haben, so umgehen, als hätten wir zu viel davon. Beispiele gefällig?

In Deutschland werden Frauen schlechter als Männer bezahlt, auch bei gleichen Eingangsvoraussetzungen. Das hat die Europäische Union jetzt festgestellt, der Unterschied macht glatte 22 Prozent aus. Noch ungerechter innerhalb der EU geht es nur auf Zypern, in Estland und in der Slowakei zu. In so einer Spitzengruppe waren wir noch nie. Jetzt haben wir schon weniger Menschen und leisten uns trotzdem die Arroganz, die eine Hälfte noch schlechter zu bezahlen als die andere. Da Frauen ja nicht so doof wie Männer sind, werden sie irgendwann abhauen und dahin gehen, wo sie gerecht bezahlt werden.

Zweites Beispiel: Die Pisastudien sagen uns, dass in keinem Land Europas und der entwickelten Welt Migrantenkinder so schlechte Aufstiegschancen wie in Deutschland haben. Wir regen uns lieber über Gettobezirke auf, als dass wir uns um die Bildung dieser Kids kümmern. Ist ja auch bequemer, wenn sich der Bademeister über die krawallsüchtigen Jungs mit den undeutschen Namen (mein Gott, hoffentlich spielen Podolski und Gomez trotzdem weiter) aufregt, als wenn man ihnen schon im Kindergarten deutsch beibringt und den renitenten Eltern am besten gleich mit.

Wenn wir die Frauen und die Migranten aus dem Erwerbsleben verdrängt haben, dann bleiben nur noch wir urdeutschen Männer übrig. Wir saufen uns dann nach Feierabend die Hucke voll und klagen über die Ungerechtigkeit der Welt. Na denn Prost!

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