Berlin : Nur Rikschas rollen rasanter

Klaus Kurpjuweit über die geplante Schnellstrecke nach Schönefeld - per Bus

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Klaus Kurpjuweit. -Foto: tso

Was macht die Bahn, wenn es mit ihrem Verkehr auf der Schiene nicht so richtig klappt? Ganz einfach: Sie geht auf die Straße. Ihr Busunternehmen Bayern Express (Bex) will im Linienverkehr vom Bahnhof Südkreuz zum Flughafen in Schönefeld fahren - fast parallel zur S-Bahn, nur viel schneller. In 15 Minuten sollten die Busse am Ziel sein, die einst als Schnellbahn konzipierte S-Bahn braucht für diese Strecke dagegen mehr als eine halbe Stunde, wobei die Fahrgäste zudem auch einmal umsteigen und dann auch noch rund zehn Minuten vom Bahnhof in Schönefeld zum Flughafen laufen müssen. Ein Angebot, das so richtig unattraktiv ist.

Gut dagegen, dass es seit Mai eine durchgehende Autobahnverbindung vom "Bahnhof " Südkreuz zum Flughafen Schönefeld gibt, mit Anschlüssen gewissermaßen jeweils vor der Nase. Was liegt da näher, als auf dieser schönen Piste Busse fahren zu lassen, zumal die Bahn in ihrem Bereich Stadtverkehr, zu dem auch Bex gehört, das größte Busunternehmen in Deutschland ist?

Ein neuer Markt für Fahrten zum Flughafen sei mit dem Bau der durchgehenden Autobahnverbindung entstanden, haben die Bahnplaner entdeckt. Neue Fahrgäste sollen so gewonnen werden, die auch ein Zuschlag von 3,20 Euro auf den Normalfahrschein für den Nahverkehr nicht schreckt. Dass die BVG mit ähnlichen Angeboten aus der Innenstadt zum Flughafen Tegel mangels zahlungswilliger Kunden jämmerlich gescheitert ist, macht der Bahn nichts aus. Sie ist sicher, dass der Schnellverkehr auf der Straße ein Erfolg wird. Fahren dürfen die Busse zunächst bis zum 30. Oktober 2011, dem vorgesehenen Eröffnungstermin des neuen BBI-Flughafens in Schönefeld.

Gespannt darf man jetzt schon sein, was sich die Bahn einfallen lassen wird, wenn es zu diesem Termin noch nicht möglich sein sollte, alle 20 Minuten schnelle Züge vom Hauptbahnhof zum BBI zu schicken, weil die nötigen Zufahrtsstrecken fehlen. Straßen gibt es noch genug. Und fliegen wollte die Bahn ja auch schon, als sie sich um den Betrieb des Flughafens Tempelhof beworben hatte. Wie wär's jetzt mit Hubschrauberflügen direkt von den oberen Bahnsteigen am Hauptbahnhof gen Schönefeld? Starten und landen könnten die Hubschrauber auf dem Hauptbahnhof - schließlich hat sie dort schon das vorgesehene Dach verkürzen lassen. Welch eine Weitsicht!

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