Bundeswehr : Ein Kreuz zu viel

Frank Jansen zum Vorschlag, einen neuen Tapferkeitsorden einzuführen.

Frank Jansen
Frank Jansen -Foto: Mike Wolff

Sie schützen die Demokratie, nicht nur die deutsche, und sie begeben sich in lebensgefährliche Situationen - manchmal sogar mit tödlichem Ende. Die Soldaten der Bundeswehr riskieren viel, um in Afghanistan und anderswo der Ausbreitung von politischem Fanatismus bis hin zu terroristischer Gewalt vorzubeugen. Dafür gebührt ihnen genauso Dank wie für den Einsatz bei Naturkatastrophen im Inland. Deshalb kann man darüber nachdenken, ob besondere Courage stärker als bisher mit einer Auszeichnung zu belohnen wäre.

Man kann auch diskutieren, ob das 1980 erstmals verliehene Ehrenkreuz der Bundeswehr ausreicht - angesichts der weit härteren Belastungen, denen die Streitkräfte heute ausgesetzt sind. Bis hin zu Kriegseinsätzen, auch wenn die Regierung den Begriff meidet. Dennoch ist die Idee des CDU-Abgeordneten Ernst-Reinhard Beck, der auch dem Reservistenverband der Bundeswehr vorsteht, eine Neuauflage des Eisernen Kreuzes zu wagen, töricht und geschichtsblind.

Ein eisernes Kreuz in der gezackten Form, wie es bis 1945 deutschen Soldaten an die Brust geheftet wurde, provoziert zumindest Missverständnisse. Ein solcher Orden würde mit Namen und Optik eine Traditionslinie zu beiden Weltkriegen suggerieren, die Deutschland verschuldet und glücklicherweise verloren hat. Da hilft auch nicht der Hinweis, das Eiserne Kreuz gebe es längst wieder als balkenartiges Emblem auf den Fahrzeugen der Bundeswehr und in einer schlichten Variante der Ur-Form auch im Wappen des Verbands der Reservisten. Das ist schon zwiespältig genug, ähnlich wie die einst übliche Benennung von Kasernen nach „Helden“ der Wehrmacht. Aber als Auszeichnung für Courage im Dienste der Demokratie taugt ein Orden, der mit Krone und Hakenkreuz drapiert war, noch viel weniger.

Wenn Beck sogar nicht verkennen mag, „dass unter diesem Zeichen Angst, Schrecken und Leid über die Völker gebracht worden sind“, bescheinigt er sich selbst einen Mix aus Naivität und Zynismus. Aber vielleicht dreht sich die Debatte ein wenig - und es reift die Erkenntnis, dass ein Eisernes Kreuz, in welcher Form auch immer, der Bundesrepublik und ihrer Armee nicht steht.

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