Einbürgerungstest : Schwere Fragen

Ingo Wolff über den Einbürgerungstest

Ingo Wolff
Ingo Wolff
Ingo Wolff, CVD-Büro -Foto: Doris Klaas

BerlinDie „Times“ hat ihn nicht geschafft, und auch viele Deutsche sagen, es seien einige verdammt schwere Fragen im deutschen Einbürgerungstest. Gottseidank könne man nicht ausgebürgert werden. Die britische Zeitung hat beim Test kläglich versagt. Vielleicht war es Absicht, nicht deutsch zu werden, aber Punkte gibt es für die belgische Flagge neben dem Hitlerbild nicht. Für Belgien hätte das sicher gereicht, aber die haben nicht mal einen Test. Und damit wären wir beim Kernproblem. Wer nach Deutschland kommt und hier an den nationalen Fragen scheitert, geht dorthin, wo kein Wissen zum Passerwerb notwendig ist. Nach Belgien zum Beispiel. Und schon ist man EU-Bürger und darf sich, der Freizügigkeit in Europa sei dank, überall aufhalten und arbeiten - auch in Deutschland.

Großbritannien ist da übrigens selbst eine schlechte Adresse, denn wer nicht weiß, wie viel Volt im britischen Stromnetz fließen und welche Nummern man im Notfall wählen muss, darf kein Insulaner werden. Immerhin haben die Fragen Überlebenscharakter. Einwanderungstest sind in Mode. Aber jeder pflegt nur seinen eigenen Vorgarten. Wäre es im Europa der offenen Grenzen, im Vorgriff auf eine EU-Bürgerschaft, nicht längst an der Zeit, einen einheitlichen EU-Test zu entwerfen? Zwei Drittel Europafragen und ein Drittel regionale Fragen.

Wer zum Beispiel Österreicher werden will und sich die Fragen in Graz stellen lässt, muss beantworten, welcher Berg mit 2995 Metern der höchste der Steiermark ist? Und danach die wichtigste Europafrage: Was versteht man unter dem Recht der „Freizügigkeit“? Nein, es heißt nicht, dass man sich in der Öffentlichkeit nur leicht bekleidet bewegen kann. Es heiß, dass man sich überall in Europa seinen Wohnort selbst aussuchen darf.

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