Hauptstadtslogan : Blaupause für geflügelte Worte

Bernd Matthies über die Berlin-Kampagne

Bernd Matthies
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Bernd Matthies, Redakteur für besondere Aufgaben.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Berlin Das muss man den Erfindern der "be-berlin"-Kampagne lassen: Sie haben mit diesem vermeintlichen Nichts einer Idee die perfekte Blaupause für den Selbstbau geflügelter Worte geschaffen, eine Art Spree-Haiku. Die Berliner Chaoten, deren sprachliche Intelligenz wir nie unterschätzen sollten, waren am Thema dran, noch bevor der Senat mehr als das Grundgerüst in die Welt gesetzt hatte: "Sei rebellisch, sei 1. Mai, sei Berlin".

Als Klaus Wowereit am heutigen Donnerstag vor dem Rathaus von den protestierenden Polizeigewerkschaftlern begrüßt wurde, hatte auch sie keine Schwierigkeiten, sich ihren Reim zu machen: "Sei unsozial, sei undemokratisch, sei SPD". Worauf Wowereit wenig diplomatisch zurückkeilte: "Sei Gewerkschafter, sei Querulant, sei Berlin".

Wir sehen also: Das Muster ist bestens etabliert, es lässt sich schnell und effektvoll nutzen und hat insofern alle Voraussetzungen, es in den Rang der großen Slogans wie "Ich bin doch nicht blöd!" zu schaffen. Allerdings nur das Muster. Denn die offizielle Variante, die gestern vor dem Berliner Rathaus enthüllt wurde, ist so brav, braver geht's nicht: "Sei einzigartig, sei vielfältig, sei Berlin". Einer für alle, der mit der Vorlage umgeht wie der deutsche EM-Sturm mit dem Ball, ein wenig holpert und stolpert, nicht amüsiert und nicht weh tut. Wowereit sagt - was soll er sagen? - dass Berlin so vielfältig und facettenreich ist, das mache die Stadt einzigartig. Tja. Gähn. Ließe sich das nicht mit gutem Gewissen auch über Hamburg, Kaiserslautern und Ulm behaupten?

Wie es scheint, wissen sie im Rathaus und bei den federführenden Berliner-Partnern noch nicht, was mit dem siegreichen Spruch geschehen soll - ihn im Ausland einzuführen, wäre teurer, als Thilo Sarrazin erlaubt. Also wird er ein Schattendasein als Logo führen überall dort, wo Berlin sich präsentiert. Dafür werden wir mit den nicht amtlich legitimierten Varianten garantiert noch viel Spaß haben, und das nicht erst am nächsten 1. Mai.

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