Jemen : Gefährliche Mission

Hannes Heine über den Tod zweier Christinnen im Jemen

Christliche Missionare sind in der Regel nervig, ihre Attitüde zuweilen dümmlich - und ihre Realitätsvorstellungen sind infrage zu stellen. Sie kommen oft aus gutem Hause. Den meisten Muslimen im Nahen Osten wiederum geht es schlecht, viele haben kaum Aussicht auf sozialen Aufstieg, einige hungern. Und wenn sich Christen auf den Weg in den Nahen Osten machen, um die Menschen dort zu missionieren, regt sich bei den Zielen ihrer Bemühungen - zumeist armen, jungen Muslimen - regelmäßig Unmut.

Kürzlich sind zwei junge deutsche Christinnen auf grausame Weise im Jemen ermordet worden. In dem arabischen Land ist der Islam Staatsreligion. Es wird davon ausgegangen, dass die Mörder islamistische Warlords sind. Nun mehren sich Stimmen, wonach die Frauen das Land gar nicht hätten bereisen sollen. Die Bevölkerung sei empfindlich, die Missionierung zu anderen Religionen im Jemen verboten.

Doch der Mord an den Frauen war nicht etwa Teil eines anti-imperialistischen Kampfs jemenitischer Rebellen. Schließlich gibt es in Westeuropa so wenige Bibelschüler wie sunnitische Imame, und der gesellschaftliche Einfluss der reaktionären Hardcore-Evangelen dürfte - zum Glück - so gering sein wie die Reichweite der Autofahrer-Partei.

Der Mord hat die Lage der verarmten Massen in der muslimischen Welt nicht nur nicht verbessert, sondern dazu geführt, dass demnächst vielleicht KSK-Kämpfer mit Maschinengewehren kommen und keine Bibelschülerinnen mit Medikamenten mehr.

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