Peter Krause : Absolut ungeeignet

Lorenz Maroldt zum Rückzug des designierten Kultusministers von Thüringen

Lorenz Maroldt Foto: Kai-Uwe Heinrich
Lorenz Maroldt, Chefredakteur -Foto: Kai-Uwe Heinrich

Fast wäre Peter Krause Kultusminister in Thüringen geworden. Doch dann, so sagt er, so sagt die CDU, so sagt die konservative Presse, wurde er Opfer einer Kampagne. Wirklich? Krause sagt zur Verteidigung seiner journalistischen Mitarbeit bei dubiosen Rechtspostillen, er habe einen hohen Begriff von der Meinungs- und Pressefreiheit. Alles, was sich auf dem Boden der freiheitlichen demokratischen Grundordnung befinde, müsse zugelassen sein. Da hat er ausnahmsweise mal Recht. Und deshalb ist es auch völlig in Ordnung, diese Meinung hier zu vertreten: Der Mann ist als Kultusminister absolut ungeeignet.

Tatsächlich geht es auch gar nicht darum, ob "zugelassen" ist, was er in der "Jungen Freiheit", in der "Etappe", im "Ostpreußenblatt" geschrieben hat. Sogar die NPD ist ja zugelassen und sitzt im sächsischen Landtag. Soll er doch schreiben, was er will! Aber warum ausgerechnet Krause als Kultusminister unter anderem auch Stiftungsratsvorsitzender der KZ-Gedenkstätte Buchenwald werden sollte, warum oberster Schul- und Bildungspolitiker des Landes Thüringen, in dem sich die Zahl rechtextremistischer Vorfälle zum vergangenen Jahr verdoppelt hat, konnte noch niemand schlüssig erklären. Etwa weil seine Ausflüge ins graubraune Milieu schon ein paar Jahre her sind? Für Jugendsünden war er Ende der neunziger, Anfang der nuller Jahre als Wissenschaftler in seinen vollen Dreißigern schon ein bisschen alt. Und ein Ministeramt eignet sich nicht wirklich als Resozialisierungsmaßnahme.

Krause sagt, er sei naiv gewesen damals. Das dürfte das Mindeste sein. Aber wer braucht einen Minister mit Hang zur Naivität? Krause sagt, er habe das Umfeld der "Jungen Freiheit" nicht geprüft. Und das im Jahr 1998, als über die Neue Rechte und die "Junge Freiheit" in aller Öffentlichkeit und immer wieder debattiert und lamentiert wurde? Kaum zu glauben, der Mann ist doch gelernter Journalist! Wenn alle Journalisten so schlampig arbeiten würden, dann wäre er am 8. Mai problemlos Minister geworden. Krause sagt, er hatte vor, die "Junge Freiheit" als Redakteur zu einem unideologischen Debattenblatt umzumodeln, von einem konservativen Fundament aus weit nach links. Heilige Einfalt! Für wen hält der sich? Krause sagt, die "Junge Freiheit" sei ihm empfohlen wurden. Von wem, sagt er nicht. Ist eigentlich auch egal. Jedenfalls war er da miserabel beraten, und nichts lässt erwarten, dass er heute besser beraten ist. Oder als Minister wäre. Krause sagt, er habe die Skepsis ihm gegenüber durch unpräzise Äußerungen genährt. Aber genau ist ja das Problem, weil es eben auch genau die Strategie der Neuen Rechten ist. Immer schön im graubraunen Bereich bleiben. Grenzen nach Rechtsaußen verwischen. Sich bürgerlicher Naivität als Alibi bedienen. Krause ist missbraucht worden. Er hat es nur bis heute nicht bemerkt.

Krause sagt, jetzt wolle er eben als Abgeordneter verhindern, dass Thüringen 2009 "von einem westdeutschen Sozialisten" regiert wird und dass "die freie politische Kultur, die wir 1989 erstritten haben, begraben wird". Das ist sein gutes Recht. Aber es darf eben auch gesagt werden: Er ist voller Ressentiments und ein orientierungsschwacher Relativist. Kein guter Ministerkandidat.

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