Popularität : Wowereit steigt ab

Gerd Nowakowski über die nachlassende Popularität des Regierenden Bürgermeisters.

Gerd Nowakowski
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Gerd Nowakowski, Ressortleitung Berlin/Brandenburg -Foto: Kai-Uwe Heinrich

Eins runter! Klaus Wowereit liegt nur noch auf Platz 2 der beliebtesten Politiker Berlins, hat das Meinungsforschungsinstitut Forsa ermittelt. Das ist eine Premiere. Ganz vorn in der Gunst der Berliner steht dagegen Innensenator Ehrhart Körting. Für einen Sozialdemokraten ist das in einer Stadt wie Berlin, in der seit Jahren über das abnehmende subjektive Sicherheitsgefühl im öffentlichen Raum und die Zunahme von jugendlichen Mehrfachtätern gestritten wird, durchaus überraschend. Schließlich bemüht sich die christdemokratische Opposition nach allen Regeln der politischen Kunst, aus der ausgemachten Sicherheitslücke stimmungsmäßig Gewinn zu ziehen.

Doch der bodenständig und unideologisch auftretende Innensenator kann offenbar Vertrauen vermitteln, dass die Probleme der Stadt bei ihm in guten Händen sind. Mitunter scheut er auch Populismus nicht: Sein gescheiterter Versuch, die Flagge der in Deutschland nicht verbotenen Hamas zu verbieten, steht dafür. Fehler werden Körting darüber vergeben. Immerhin hatte erst seine überzogene Warnung vor drohender Terrorgefahr an die Adresse der Deutschen Oper dazu geführt, dass die Oper "Idomeneo" mit deren angeblich islamkritischer Passage abgesetzt wurde.

Dass Körting für die rot-rote Senatskoalition ein wichtiger Eckpfeiler ist, stimmt schon - nur ist das nicht alles. Körtings Stärke ist vor allem Wowereits Schwäche. Dessen Zustimmungswerte sinken kontinuierlich seit Sommer 2007, als er erstmalig erkennen ließ, dass er sich eine weitere politische Karriere auf Bundesebene vorstellen kann. Nach acht Jahren im Amt wird seine Unlust, sich um kommunale Themen zu kümmern, durchaus spürbar; aus politischen Kontroversen hält sich Wowereit heraus oder lässt erkennen, wie wenig sie ihn berühren. Der König von Berlin äußert sich immer häufiger zu bundespolitischen Themen.

Bei Berliner Themen hält er sich dagegen zurück - das gilt für die Probleme der Berliner Schulen, für die Stadtentwicklung oder beim Thema Religionsunterricht. Oder er neigt zu selbstherrlichen Entscheidungen wie bei der Ansiedlung der Modemesse Bread & Butter auf dem Flughafen Tempelhof. Wer sich raushält, schafft Distanz: Die Regierten merken das wohl - und lassen ihn den Sympathieverlust spüren. Wer sich darauf verlässt, dass in Berlin erst 2011 gewählt wird, kann sich leicht verrechnen: Zustimmungswerte muss man über längere Zeiträume erarbeiten; wer die Gunst verspielt, gewinnt sie nicht so leicht zurück. CDU-Chef Frank Henkel, der personifizierte Wowereit-Gegenentwurf, der auf dem besten Weg ist, die Berliner Christdemokraten wieder zu einer echten Alternative zu Rot-Rot zu machen, wird es freuen.

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