Preiserhöhung : Die Bahn kann das

Carsten Brönstrup wünscht sich mehr Wettbewerb auf der Schiene

Carsten Brönstrup

Ein Unternehmen erhöht die Preise - überrascht diese Nachricht in diesen Tagen noch irgendwen? Eigentlich nicht - angesichts einer Inflationsrate von mehr als drei Prozent, angesichts der Kosten für Benzin, Brötchen, Milch, Butter oder Flugtickets, die weitaus stärker gestiegen sind, ist es beinahe zur Normalität geworden, dass der Euro plötzlich nur noch 90 Cent wert ist. Für die Deutsche Bahn gilt dies allerdings nicht. Um knapp vier Prozent verteuern sich die Tickets im Fernverkehr - für „moderat“ hält das der Konzern angesichts der teuren Energie und der stark gestiegenen Löhne.

Doch anders als andere Firmen darf die Bahn nicht auf das Verständnis, gar auf das Mitgefühl ihrer Kunden hoffen. Dazu hat das Unternehmen in den vergangenen Jahren einfach zu oft an der Preisschraube gedreht - und stets sein Mantra von den gestiegenen Ausgaben für Diesel und Strom vorgetragen. Zu vieles spricht dafür, dass dies nicht der wahre Grund ist. Die chronisch renditeschwachen Fernzüge müssen mehr Geld bringen, gerade angesichts des Börsengans im Herbst. Dazu nutzt die Bahn jede Gelegenheit - darauf lassen auch die stetig steigenden Nebenkosten beim Ticketkauf schließen. Dieses Mal ist es die Ausweitung des „Bedienzuschlags“ für den Kunden am Schalter oder am Telefon. Manager einer Supermarktkette können nicht im Traum daran denken, von den Kunden eine Gebühr zu verlangen, weil sie bei ihnen einkaufen. Die Bahn-Leute können das. Aus einem schlichten Grund: IC- und ICE-Züge haben auf der Schiene praktisch keine Konkurrenz - weil sich bislang niemand getraut hat, der Bahn im kapitalintensiven Zuggeschäft den Kampf anzusagen. 2010 könnte sich das ändern, dann fallen EU-weit die Schranken für den grenzüberschreitende Fernverkehr.

Mehr Wettbewerb ist nicht nur den Kunden zu wünschen, sondern auch der Bahn. Dann merkt sie vielleicht, dass man in der Marktwirtschaft nicht immer nur die Preise erhöhen muss - sondern dass auch andere Wege zum Erfolg führen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar