Sterbehilfe : Parkplatz der Verzweiflung

Axel Vornbäumen über Würde und Sterben in der Schweiz

Axel Vornbäumen
Axel Vornbäumen, Redakteur für besondere Aufgaben -Foto: Kai-Uwe Heinrich

Dignitas heißt Würde. Und ist ein großes Wort, und ganz besonders im Zusammenhang mit dem Tod. Dignitas nennt sich auch jene  Schweizer Organisation, die sich der Sterbehilfe verschrieben hat - und nun zwei Deutschen auf einem Waldparkplatz bei Zürich bei deren Suizid assistiert hat. Ein Parkplatz also. Mit Würde kann das nichts zu tun gehabt haben.

Man kann sich  den Grad der Verzweifelung wahrscheinlich gar nicht vorstellen, den die beiden Sterbewilligen erreicht hatten, um sich darauf einzulassen, ihre letzte Reise von einem derartigen Ort aus antreten zu müssen. Wie eine besonders makabre Flucht wirkt das, und, ja, fast auch wie eine symbolische Inszenierung. Wenn das aber so ist, dann hätte Dignitas die Sterbewilligen obendrein aufs Übelste instrumentalisiert. Denn aktive Sterbehilfe ist weder in der Schweiz noch in Deutschland erlaubt.

Der Schweizer Verein ist stark umstritten, die Kritik häuft sich. Die Organisation wurde aus mehreren Unterkünften vertrieben, nachdem die Gemeinden der Stadt Zürich sich geweigert hatten, die sogenannte Sterbebegleitung in Wohn- und Industriegebieten zugelassen. Auch nachdem Dignitas in Hotels ausgewichen war, gab es Proteste.

Heute ein Waldparkplatz. Was immer auch morgen kommen mag - die Schweizer Organisation ist zum Handlungsreisenden in einem unwürdigen Schauspiel geworden.

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