Tempelhof : Mode zum Abheben

Werner van Bebber über den Streit um die Tempelhof-Nutzung

Werner van Bebber

Wie sagte Berlins Finanzsenator Thilo Sarrazin so schön über den Flughafen Tempelhof? Der sei so verdorben - "da schauen schon die Maden raus". In allem, was der Senat seit der Schließung des Airports mit diesem vorhatte, stecken vielleicht nicht unbedingt die Maden, aber massenweise Würmer. Daran ändert auch des Regierenden Bürgermeisters freihändige Vergabe der Liegenschaft an die Modemesse "Bread and Butter" nichts.

Erst sah es so aus, als habe Klaus Wowereit mit seinem Coup sogar Senatskollegen überrascht. In Berlin ärgerten sich noch manche darüber, dass größere Planungen für den Flughafen ins Bizarre abhoben - Stichwort Rotlichtviertel -, da arbeitete Wowereit schon still an der Neubegründung der Modemetropole Berlin. So schön das ist, so gut es passt zu dieser wenigstens in Teilen jungen Stadt, so sehr entging es offenbar ein paar von denen, die sonst noch unter Wowereit an der Zukunft des Flughafens mitplanen. Ein wenig überrascht wirkte zum Beispiel die Stadtentwicklungssenatorin. Fast könnte man denken, der Regierende habe sie mit Absicht nicht an seiner Tempelhof-Neuerfindung beteiligt: Die Frau Senatorin hat im Umgang mit dem Flughafen bislang nicht wirklich beeindruckt und eine Desavouierung durchaus verdient.



Jetzt also zwei Monate Mode jährlich auf einem gigantischen Gelände - nun ja. Besser als nichts? Immerhin gab es noch andere Verhandlungspartner, so dass man sich fragt, ob Wowereits überraschendes Entscheidungstempo nicht überhöht gewesen ist. Wer zahlt den Rest des Jahres über für die Sicherung und Wartung der Gebäude? Trägt "Bread and Butter" als Modemesse für zehn Jahre?

Die Kombination von Mode und Hangar hat jedenfalls Charme, Wowereit hat das offenbar früh gesehen und gespürt. Und für diese Stadt, für ihre Modeszene, für alle, die in dem Gewerbe etwas werden wollen, muss man hoffen, dass die Größenverhältnisse zwischen dem Projekt und der Immobilie stimmen. Wenn es nicht passt - und das wird sich bald herausstellen -, hat Wowereit mit Tempelhof ein richtig großes Problem.

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