US-Justiz : Keine Chance in Europa

Harald Martenstein über das Wilson-Urteil in den USA.

Harald Martenstein
Harald Martenstein, Autor -Foto: Kai-Uwe Heinrich

Im Falle des deutschen Jugendlichen Marco beweist die Türkei angeblich wieder einmal ihre Europa-Untauglichkeit. Marco, 17, sitzt bekanntlich seit Monaten in türkischer Untersuchungshaft, weil er eine 13jährige vergewaltigt haben soll.

In Georgia, USA, hat der junge Mann Genarlow Wilson zweieinhalb Jahre im Gefängnis gesessen. Sein Verbrechen besteht darin, dass er, ebenfalls im Alter von 17 Jahren, Geschlechtsverkehr mit einer 15jährigen hatte, genauer gesagt: Oralsex. Der Vorfall ereignete sich bei einer Silvesterparty. Im Gegensatz zum Fall Marco behauptet in Georgia allerdings niemand, dass dabei Zwang ausgeübt wurde. Alles geschah freiwillig. Das Mädchen und seine Mutter haben zu Gunsten des Jungen ausgesagt. Die Richter verurteilten Wilson trotzdem zu zehn Jahren Haft, ohne die Möglichkeit vorzeitiger Entlassung.

Der Junge ist schwarz, das Mädchen weiß. Diese Tatsache könnte für den Betroffenen ein Glücksfall sein, denn es gab in Georgia eine Menge Unruhe wegen angeblicher rassistischer Motive der Richter. Das Oberste Gericht von Georgia hat das Wilson-Urteil in der vergangenen Woche wegen "Unverhältnismäßigkeit" gekippt, mit der knappen Mehrheit von fünf zu vier Stimmen. Auch wurden die Sexualgesetze des Staates Georgia inzwischen liberalisiert. Einverständlicher Sex zwischen Menschen unter 18 Jahren wird, statt mit mindestens zehn Jahren, jetzt nur noch mit höchstens einem Jahr Gefängnis bestraft. Das gilt in Georgia als liberal.

In den USA wird nicht nur gefoltert. Es gibt dort auch eine Sexualgesetzgebung, die dem europäischen Verständnis von Menschenrechten und Freiheit Hohn spricht. Auch die USA wären ganz sicher kein geeigneter Kandidat für die Europäische Union.

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