Vertriebenenzentrum : Wo Steinbach draufsteht, ist auch Steinbach drin

Mit dem „Zentrum gegen Vertreibungen“ soll alles ganz schnell gehen.

Sebastian Bickerich

Ein merkwürdiges Timing: Da ist der Nachfolger des abgewählten Kaczynski-Zwillings Jaroslaw noch gar nicht im Amt, da verkündet Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse schon, jetzt könne alles ganz schnell gehen mit dem „Zentrum gegen Vertreibungen“. Noch in diesem Jahr soll der bei den Polen so umstrittene Erinnerungsort auf den Weg gebracht werden, Union und SPD seien sich ganz einig - nur Erika Steinbach vom Bund der Vertriebenen (BdV) müsse leider draußenbleiben, jubelt die SPD. Das ist jedoch nur die halbe Wahrheit.

Der Bund der Vertriebenen ist sehr wohl an der Konzeption der Gedenkstätte beteiligt, die an das Leid der vertriebenen Deutschen erinnern soll. Die Bundesregierung hat sich für ihr „sichtbares Zeichen“ eng mit dem Vertriebenenverband abgestimmt, nur in der Auswahl des Ortes konnte Steinbach sich nicht gegen die Bundesregierung durchsetzen. Und auch im Beirat der künftigen Stiftung hat der BdV-Vertreter künftig Sitz und Stimme. Warum auch nicht?

Das Gedenken an das erlittene Leid von Millionen Menschen, die für den Aufbau der Bundesrepublik nach dem Krieg Bemerkenswertes geleistet haben, ist eine gesamtstaatliche Aufgabe, die auch die Ursachen dieses Leidens stets im Auge haben muss. Gut deshalb, dass das bundeseigene Deutsche Historische Museum die Aufsicht über das Projekt bekommt. Erika Steinbach soll sich ruhig einbringen - wie hoffentlich auch Polen und Tschechien, die von Thierses Ankündigung ganz schön überrumpelt worden sind.

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