Meinung : Auf der falschen Welle

DIE BBC NACH DEM HUTTON-BERICHT

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Sie ist 82, sie ist altehrwürdig, und sie gilt als Vorbild: die British Broadcasting Corporation. Weil die Arbeit ihrer Journalisten so seriös, der Fairness wie der Wahrheit verpflichtet war, wurde der öffentlichrechtliche Rundfunk in Deutschland, und nicht nur hier, nach BBC-Muster aufgebaut. Jetzt steckt das Medienunternehmen in einer schweren Krise. Es hat beim Stichwort Irak einen Krieg der Information mit der Regierung Blair begonnen – und den eigenen Standort verlassen. Die BBC nahm nach dem Krieg Partei gegen Blair. Speziell in der Kelly-Affäre stand nicht mehr der Journalismus im Mittelpunkt, die Vermittlung von Positionen, sondern der Aufbau, die Verteidigung sowie die Offensive der eigenen Position. Die BBC ließ sich auf die finale Abstimmung ein: Lügt der Premier, wenn er die (nie gefundenen) Massenvernichtungswaffen Saddams als Kriegsgrund nennt, oder lügt der Sender, wenn er Blair der Lüge zeiht? Lordrichter Hutton war der beiderseits akzeptierte Schiedsrichter, und er hat gegen die BBC geurteilt. Der Sender hat diesen Spruch akzeptiert. In der Chefetage lichten sich die Reihen, die Krise wird, geradezu vorbildlich, im eigenen Programm offen und schonungslos behandelt. Es ist ein hartes Stück Arbeit: die eigentliche Macht zurückzugewinnen, die Glaubwürdigkeit bei den Hörern und Zuschauern. Blair oder nicht Blair, das kann nicht länger die Frage sein. Sondern, wie die BBC ihre Reputation erneuert –als BBC.jbh

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