Meinung : Auf Partnersuche

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Für eine politische Nanosekunde hat am Mittwoch der mecklenburg-vorpommersche SPD-Landtagsabgeordnete Norbert Nieszery die im deutschen Parteienspektrum gängige Farbenlehre um eine gewagte Neukomposition bereichert. „Ein Dreierbündnis Rot-Rot-Gelb in Schwerin ist nicht auszuschließen“, hat Nieszery gesagt, dann wurde die Aussage allerdings schleunigst unter Absurditätsvorbehalt gestellt. Die ferne Zukunft erst wird zeigen, ob aus dem Naivling aus dem deutschen Nordosten postum mal ein Visionär wird. Rot-Rot-Gelb – so grell muss es vorerst tatsächlich nicht kommen, aber ein Dilemma aus der fortschreitenden Erosion der beiden Volksparteien ist damit sehr schön benannt, nicht nur in Meck-Pomm: Bei der Suche nach tauglichen Koalitionen wird künftig neben Prinzipientreue vor allem auch Kreativität und so mancher Sprung über den eigenen Schatten notwendig sein. Den geschrumpften, an der 30-Prozent-Marke angekommenen Großen reicht ein kleiner Partner nicht mehr zum Regieren. Sollte sich dieser Trend fortsetzen – und im Moment spricht nicht viel dagegen – könnten Dreierbündnisse schon bald von der Ausnahme zur Regel werden, erst in den Ländern, dann im Bund. Das ist für niemanden eine gute Nachricht, erst recht aber nicht für die FDP. Die Liberalen, lange Zeit als Funktionspartei die Nummer 1 in Deutschland, sind ins Hintertreffen geraten, seit es nicht mehr quasi automatisch entweder für Schwarz-Gelb oder für Rot-Gelb reicht. Die FDP, will sie wieder Funktionspartei werden, wird sich bewegen müssen – und zwar ausgerechnet auf die Partei zu, zu der der Graben bislang am tiefsten war: die Grünen. Das wird wehtun und so schnell nicht gehen. Aber die Einsicht in die Notwendigkeit wird wachsen, vermutlich allein schon mit jedem weiteren Tag, an dem die große Koalition im Amt ist. Vbn

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