Meinung : Auf Reisen

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Von Dietmar Schon

WO IST GOTT?

Zu Beginn der Ferienzeit segne ich die Fahrzeuge der Reisenden. Dabei handelt es sich um eine Fahrersegnung. Es soll zum Ausdruck gebracht werden, dass das richtige Verhalten im Straßenverkehr auch Teil gelebten Christentums ist. Die Verkehrsmittel fordern den Fahrer immer wieder heraus, sich seiner Verantwortung gegenüber den Mitmenschen und der Natur bewusst zu werden.

Auch außerhalb der Gottesdienstzeiten ist immer jemand da. Davon zeugen im Gotteshaus die vielen, zur Fürbitte angezündeten Opferlichter und die zahllosen Eintragungen im Besucherbuch. Häufig ist dort der Begriff Dankbarkeit zu lesen: Dank wird ausgedrückt für einen gelungenen Urlaub, für einen geliebten Menschen, für die Abwesenheit von Unglück.

Die Autobahnkirche: Sie lädt eine mobile Gemeinde hinter den Lenkrädern ein, sich über das bewusst zu werden, woran man sonst auf der Überholspur vorbeifährt: Begegnungen, Fragen, Menschen – und Gott.

In der Ungezwungenheit des Reisens wird der Weg frei für geistige Erfahrungen. Dabei „stolpern“ Menschen manchmal geradezu über die Wahrnehmung, dass Gott eine zusätzliche Chance für ihr Leben ist. Weil sie ihre Ängste und Sehnsüchte nicht mehr wegschieben, sondern ihnen Raum geben, sind sie offen für die christliche Botschaft. Immer mehr Menschen sind heute in einem geistlichspirituellen Sinn unterwegs. Sie suchen nach einer Möglichkeit, sich den Fragen nach dem Sinn ihres Lebens zu stellen. Gesucht wird ein geistlicher Ruheplatz, an dem sich innere Klüfte schließen. Der Seelenzustand des Unterwegsseins erleichtert manchem den Zugang zu einem sakralen Raum. Alle Kirchen wollen „Raststätte für die Seele" sein.

Vielleicht ermöglicht das Innehalten einen umsichtigeren Umgang mit eigenem und fremdem Leben? Die Autobahnkirche, aber auch jedes Gotteshaus am Weg, hilft, sich der Bedeutung von Begegnungen mit anderen Menschen oder bestimmten Situationen klar zu werden. Eine Kirche ist für viele eine zusätzliche Chance, sich inneren Nöten zu stellen und zu erfahren, dass Gott sie nicht allein lässt. Viele Menschen wissen nicht, welchen Weg sie einschlagen sollen. Ein Gotteshaus wird für viele zu einem Anknüpfungspunkt, vor Gott nach Antworten zu suchen.

Unser Autor ist Kurat der Autobahnkirche „Maria, Schutz der Reisenden“ A8 bei Adelsried, Provinzial der Dominikanerprovinz des hl. Albert in Süddeutschland und Österreich.

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