Meinung : Auf Steffelniveau

Auch mit Friedbert Pflüger kommt die CDU in Berlin nicht an

Lorenz Maroldt

Immer wieder werde er gefragt, warum er die Stadt regieren wolle, bei all den Problemen Berlins, schreibt Friedbert Pflüger auf seiner Internetseite, und er gibt auch dort gleich die Antwort: „Weil ich an die Stadt und Sie, die Berlinerinnen und Berliner glaube!“

Nach neuesten Umfragewerten, ermittelt vom Meinungsforschungsinstitut Emnid im Auftrag der pflügerfreundlichen „Morgenpost“, müsste der CDU-Spitzenkandidat eigentlich vom Glauben abfallen. Wochenlang schwingt er sich von Ast zu Ast, lässt hier mal einen Zettel fallen und dort ein Bonmot, spricht zu allem und zu jedem, der nicht schnell genug auf dem Sozialamt verschwindet, besucht sogar den Zoo – und muss erkennen, dass sein Starterbonus, ohnehin nur etwas Wechselgeld, schon draufgegangen ist, bevor es auch nur einen Cent Zinsen dafür gab.

Die „neue CDU“, von der Pflüger gerne spricht, pendelt sich nach zwischenzeitlichen Wowereitermüdungsausschlägen wieder auf Steffel- und Bankenskandalniveau ein, ganz ohne Steffel und ganz ohne Skandal. Würde jetzt gewählt, reichte es den Umfragen zufolge nicht einmal für ein kleines bisschen Jamaika im multikulturellen Berlin.

Was den Kandidaten und seine Partei aber mehr bekümmern dürfte als eine volatile Sonntagsfragenantwort in Zeiten weltmeisterlicher Fußballkonzentration, ist die Zerfallgeschwindigkeit von Pflügers Kompetenzwerten. Kein Feld mehr, das nach Meinung der Befragten der fleißige Kandidat besser beackert als der lässig Regierende. Bei so wichtigen und von der Landespolitik prägbaren Themen wie Bildung und Problemvierteln steht Wowereit doppelt so gut da wie sein Herausforderer, und beim größten Thema des politischen Moments, der Integration, ist Pflügers Wert katastrophal.

Die vergleichende Bewertung von Kompetenz hat zwar zumeist etwas unangenehm Gefühliges, weil der Herausforderer ja nur an seinen Worten gemessen werden kann, der Amtsinhaber dagegen auch am Handeln oder Unterlassen seiner Regierung. Doch gerade deswegen ist es für den Kandidaten so wichtig, dass hinter seinen Worten klare Bilder erscheinen. Dazu aber sind klare Worte nötig.

Hören wir mal hin. Die CDU beschreibt Friedbert Pflügers Auftritt beim Türkischen Tag am Brandenburger Tor so: Der Kandidat zeigte sich erfreut über die friedliche, fröhliche Feier und betonte seine Position in der Integrationspolitik: „Wir wollen Vielfalt in Berlin! Aber auch Rechtsstaatlichkeit und Toleranz!“ So viel beliebige Vernunft ermüdet selbst den Gutmütigsten.

Ganz anders dagegen Wowereit, der beim Karneval der Kulturen inmitten künstlicher Herzlichkeit erklärt: Wenn gesagt werde, die Integration sei gescheitert, dann „ist das Quatsch!“ Das ist zwar auch Quatsch, aber immerhin eine Haltung. Pflüger dagegen verbeugt sich beim Kampf um jede Stimme vor vermeintlichem Bürgerfuror gegen eine harmlose Moschee in Pankow. Da kann man dann schon den Glauben verlieren.

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