AUFGELESEN : Arabische Medien: Auch wir sind jetzt Obama-Fans

Reaktionen der arabischen Presse auf Obamas Rede in Kairo.

Martin Gehlen

Quer durch die arabische Welt wurde die Rede von US-Präsident Barack Obama in Kairo von Zeitungskommentatoren mit Zustimmung und Genugtuung aufgenommen. So schreibt die in Ägypten erscheinende Zeitung Almasry Alyoum: „Der Präsident kam nach Kairo und sprach zu den Arabern, den Muslimen und natürlich auch zu der ganzen Welt. Er kam hierher mit eine offenen Haltung und er ist bereit zuzuhören. Das allerdings sollte uns nicht ablenken von einer sehr wichtigen Wahrheit: Präsident Barack Hussein Obama kann uns (zur Lösung unserer eigenen Probleme) nichts Konkretes anbieten, es sei denn wir kümmern uns selbst darum.“

Die in London erscheinende Zeitung Al-Hayat nannte Obamas Besuch in Kairo „einen ermutigenden und viel versprechenden“ Start. „Obama räumte ein, dass jede Region ihre eigenen Kultur und ihre eigene Sprache hat. Dies ist der erste Schritt hin zur Wiederherstellung einer Diplomatie des Dialogs - anstatt Kriege anzuzetteln, um Lösungen durchzusetzen. Was aber wie Israels Antwort sein auf das neue Benehmen seines engsten Verbündeten?“, fragt das Blatt.

Ähnlich sieht es auch die in Riadh erscheinende Saudi Gazette: „Obamas Rede bot etwas, was in im letzten Jahrzehnt in der amerikanischen Politik nicht mehr gegeben hat: Ausgewogenheit. Zum ersten Mal könnte es sein, dass Israel tatsächlich verantwortlich gemacht wird für seine Taten und seine Weigerung, die Zwei-Staaten-Lösung zu akzeptieren. Obama wird natürlich nicht alle Probleme der Region lösen können. Aber er hat den Ton gesetzt: Sklavische Loyalität zu einem Land auf Kosten der gesamten übrigen Region, das ist kein Weg zum Frieden. Seine Rede machte Israel und den arabischen Führern klar, es wird in Zukunft nicht einfach weitergehen wie bisher.“

In den Arab News, die ebenfalls in Saudi-Arabien erscheinen, heißt es: „Die Botschaft Obamas war absolut klar, knapp in Worten und voll von Realitätssinn. Er stellte klar, dass nicht eine einzige Rede das Misstrauen und die groben Vorurteile zwischen Amerika und der muslimischen Welt zerstreuen kann. Seine Botschaft: Die Menschen sollten sich künftig mehr darauf konzentrieren, was sie gemeinsam haben, als was sie trennt. Und Obama stellte klar, Außenpolitik basiert auf Diplomatie und internationalem Konsens. Außenpolitik heißt nicht einfach, anderen Washingtons Willen aufzudrücken. Der im Libanon erscheinende Daily Star Beirut greift diesen Gedanken auf: „Obamas Rede muss gesehen werden auf dem Hintergrund der letzten acht Jahre neokonservativer Politik mit ihrer These vom Zusammenstoß der Zivilisationen. In Kairo nun zeigte der Führer der so genannten freien Welt den rund 1,5 Millionen Muslimen in 50 Nationen die friedvolle Seite seines Landes.“

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